
Die Galerie beherbergt seit 1971 den künstlerischen Nachlass der Lustenauer Malerin Stephanie Hollenstein (1886 - 1944) mit insgesamt 1.114 Exponaten. In 35 Jahren Galeriegeschichte ist es gelungen, heimische und internationale KünstlerInnen zu gewinnen, die mit ihren Werken eine Vielfalt von Themen präsentierten. Kunstschaffende aus Lustenau stellten neben Vorarlberger KünstlerInnen aus und in Zusammenarbeit mit anderen Museen konnte eine Reihe von Sammlungen internationaler Größen gezeigt werden. Aus den Erlösen der Galerieabgabe werden wiederum Ankäufe namhafter Vorarlberger KünstlerInnen getätigt. So verfügt Lustenau inzwischen über eine wertvolle Sammlung zeitgenössischer Kunstwerke.
Der Ausstellungsbetrieb gehört zu den Kernaufgaben der Galerie, daneben die Werke von Stephanie Hollenstein archiviert und präsentiert. Auch die Sammlung „Karl Schwärzler“ mit 79 Werken des Lustenauer Künstlers wird in der Galerie Hollenstein verwahrt.
Stephanie Hollenstein gehört zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des Landes. Schon zu Lebzeiten wurde sie gerühmt als eine große Meisterin ihres Faches. Sie wurde am 8. Juli 1886 in Lustenau geboren. 1906 kam sie an die Kunstgewerbeschule nach München. Auf Grund ihrer zeichnerischen Leistungen und eines Gutachtens von Professor Franz von Defregger erhielt sie ein Stipendium des Vorarlberger Landesausschusses. Ihre künstlerische Aussage konnte sie 1908 bis 1910 in einer eigenen Malschule manifestieren. Bereits 1912 erfolgte die erste Kollektivausstellung in Innsbruck. 1913/1914 unternahm sie auf Grund eines Stipendiums der Französischen Akademie in Rom ihre erste Italienreise nach Venedig, Florenz und Rom, die einen entscheidenden Einfluß auf Ihr Kolorit hatte.
Nach Ausbruch des Krieges meldete sie sich freiwillig zu einem Sanitätskurs und wurde als Stephan Hollenstein zu den Standschützen nach Südtirol aufgenommen, wo sie bald als malende Kriegsberichterstatterin dem Kriegspressequartier der Südfront zugeteilt wurde. 1916 kam sie nach Wien und beschickte von hier zahlreiche Ausstellungen in Berlin, Basel, Stockholm, Reval und Helsingför. Ende der Zwanziger Jahre entstanden im Tiroler Oberland und in Südtirol unzählige Skizzen von spontaner Lebendigkeit und dokumentarischem Wert. 1931 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis, 1932 den Preis der Marianne-Hainisch-Stiftung. Seit 1938 stand sie der Vereinigung der bildenden Künstler Österreichs als Vorsitzende vor.
Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland wurde Hollenstein Vorsitzende der Vereinigung bildender KünstlerInnen der Reichsgaue der Ostmark, dem arisierten Zwangszusammenschluss bildender KünstlerInnen Österreichs. Diese Posititon machte sie zur einflussreichste(n) Künstlerin in Österreich während des Dritten Reichs. 1944 erkrankte sie an einem Herzleiden und verstarb in einer Wiener Klinik. Die Amerikanische Kunsthistorikerin Evelyn Kain hat die Biografie und Werkgeschichte von Stephanie Hollenstein umfassend aufgearbeitet und dabei auch die dato tabuisierte Beziehung Hollensteins zum Nationalsozialismus ausgeleuchtet.
Stiftung und Galerie „Stephanie Hollenstein“
Noch zu ihren Lebzeiten hat Stephanie Hollenstein ihren beiden Schwestern Maria und Frieda gegenüber den Wunsch geäußert, ihr Lustenauer Atelier an der Pontenstraße zu erweitern und dort ihren künstlerischen Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der künstlerische Nachlass und das Realvermögen der Geschwister Hollenstein wurde der Gemeinde Lustenau zur Gänze als Schenkung übergeben. Die Galerie besitzt heute insgesamt 94 Ölbilder, 150 Aquarelle und Gouachen sowie 870 Zeichnungen, Skizzen und Studien, also insgesamt 1.114 Werke der Künstlerin. Stephanie Hollenstein ist somit die einzige österreichische Künstlerin, der ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes umfangreiches Archiv und ein nach ihr benannter Ausstellungsraum gewidmet ist. Der künstlerische Nachlass der Stephanie Hollenstein gehört heute zu den größten Sammlungen eines einzigen Künstlers im Bodenseeraum.
Galerie Stephanie Hollenstein
Pontenstraße 20
6890 Lustenau
Tel +43 (0)5577 84542
Tel +43 (0)5577 8181-305
E-mail galerie.hollenstein@lustenau.at