
Die Lustenauer Seniorenhäuser haben sich im Jahre 2004 bewusst für eine Pflegephilosophie (Haltung) und nicht für ein Pflegemodell (Pflegetheorie) entschieden. Die Pflegephilosophie hat den Vorteil, dass alle Pflegemodelle darin Platz finden. Die Eckpunkte unserer Philosophie sind die wahrnehmende Unternehmenskultur, die angemessene Pflege sowie die Bezugspflege.
Je nach den Krankheitsbildern und Bedürfnissen unserer BewohnerInnen finden die entsprechenden Pflegemodelle wie beispielsweise Juchli (Aktivitäten des täglichen Lebens), Orem (Selbstpflegedefizit), Krohwinkel (Aktivitäten und existentielle Erfahrung), Böhm (psychobiografisches Pflegemodell), Feil (Validierende Pflege), Patterson und Zderad (Humanistisches Pflegemodell) Anwendung.
Wahrnehmende Unternehmenskultur (kurz: WUK)
Mit der Wahrnehmenden Unternehmenskultur haben wir das Wohlergehen der MitarbeiterInnen in gleichem Maße im Blickpunkt wie das Wohlergehen der BewohnerInnen, Angehörigen und der SystempartnerInnen. Wahrnehmende Unternehmenskultur ist eine Grundhaltung, deren Inhalte Achtsamkeit, Wertschätzung und Respekt im Umgang mit dem Gegenüber sind. Auch eine spezielle Fehlerkultur gehört dazu und wird gelebt. Wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler. Das können wir nie zu hundert Prozent vermeiden. Wichtig ist es, Fehler gleich zu melden, um entstandene Schäden beheben und Folgeschäden vermeiden zu können. Das ist gelebte Kultur in unseren Häusern.
Angemessene Pflege
Um dieser Gesetzesvorgabe gerecht werden zu können, brauchen unsere MitarbeiterInnen ein hohes Maß an Fachwissen, sozialer Kompetenz und ein Verständnis für Würde. Festgehalten und nachvollziehbar gemacht werden diese Punkte in der Pflegedokumentation.
Fachwissen: Dies bedeutet, dass unsere MitarbeiterInnen Aufgaben und Sachverhalte im Beruf selbständig und angemessen bewältigen können. Dies setzt eine dem Tätigkeitsbereich entsprechende Ausbildung, Erfahrung, Routine, Verständnis für Fragestellungen und Zusammenhänge voraus.
Soziale Kompetenz: Darunter verstehen wir die Fertigkeit, die für den zwischenmenschlichen Umgang notwendig ist. Es ist die persönliche Fähigkeit und Einstellung die dazu beiträgt, dass alle in unserer Einrichtung sich bewohner- und teamorientiert verhalten. Dazu gehört: Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Toleranz und Kritikfähigkeit.
Würde: Würde ist ein sozialer, innerer und sittlicher Wert der Persönlichkeit eines jeden Menschen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder einer Behinderung benachteiligt oder bevorzugt werden.
Pflegedokumentation: Risikopotentiale (Schmerz, Sturz, Dekubitus, Mangelernährung, Sucht, ..) werden genau so erfasst wie die vorhandenen Ressourcen (was geht noch selber). Mit Hilfe dieser Informationen wird zusammen mit den BewohnerInnen und dem Pflegepersonal eine Zielvereinbarung (was soll verbessert, erhalten, oder wo soll die Verschlechterung verlangsamt werden) getroffen. Anhand dieser Ziele werden Maßnahmen festgelegt, um die Ziele erreichen zu können. Nun sind alle MitarbeiterInnen in der Pflege gefordert, ihre Beobachtungen entsprechend der Ziele sowie Äußerungen der BewohnerIn in Bezug auf die Ziele zu dokumentieren. In regelmäßigen Abständen (alle 6 Monate, bei Bedarf früher) werden diese Beobachtungen evaluiert (kontrolliert und überarbeitet). Somit entsteht ein nachvollziehbarer Prozess der Pflege mit Dokumentation.
Bezugspflege: Pflege ohne Beziehung ist nicht möglich. In unseren Häusern sind die Bezugspflegemodelle in den einzelnen Stationen historisch unterschiedlich gewachsen. In einem Bereich haben wir das so genannte Wohngruppenmodell (ca. 10 BewohnerInnen haben in etwa 5 MitarbeiterInnen in der Pflege als Bezugspersonen), im anderen Bereich die klassische Bezugspflege (eine MitarbeiterIn ist für zwei BewohnerInnen als Bezugsperson zuständig) sowie eine Mischform dieser beiden Modelle (ca. 12 BewohnerInnen haben in etwa 6 MitarbeiterInnen in der Pflege als Bezugsperson und zusätzlich gibt es für zwei BewohnerInnen jeweils eine MitarbeiterIn als direkte Bezugsperson).
Lesen Sie mehr darüber in unserem Leitbild (unter Dokumente).