
Lustenau hat in seiner lebhaften Entwicklung der letzten 150 Jahre mehrere Phasen des Wachstums erlebt. Diese haben nicht nur das Siedlungsgebiet beträchtlich vergrößert, sondern auch ihre gestalterischen Spuren hinterlassen: Villen von der Wende zum 20. Jahrhundert, exemplarische Wohnungsbauten aus allen Epochen, die Schulbauten der 60er und 90er Jahre und nicht zuletzt zahlreiche Bauten aus der beispielhaften Vorarlberger Architekturentwicklung der letzten 30 Jahre.
Das Fehlen von markanten historischen Bezugspunkten, aber auch eine besondere Liberalität in Bauangelegenheiten haben viele Entwicklungen erst ermöglicht. Lustenau ist sich heute dieser Verantwortung bewusst und hat deshalb auch als erste Gemeinde Vorarlbergs einen Gestaltungsbeirat eingerichtet.
Die Euphorie des Wachstums ist seit geraumer Zeit von einem bewussten Umgang abgelöst worden. Im Bestreben um Qualität bei Einzelgebäuden, wie auch in den Quartieren gilt es nun Vorzüge der gewachsenen Struktur zu bewahren und vorsichtig neue Bezüge zu ergänzen.
Als Resultat von historischen Entwicklungen, örtlichem Bezug, gestalterischen Ideen und ganz praktischen Anforderungen ist aus dem Bauen Architektur geworden. Und Bauen ist mehr als Privatsache, denn Ensembles, Plätze, Straßenzüge und schließlich ein Ortsbild sind mehr als die Summe aller Bauten. Sie ergeben das sichtbare Außenbild einer Gemeinde. Eine Momentaufnahme einer sich ständig wandelnden Baukultur.
Robert Fabach