
Rathausstraße 1
Planung: Erich Steinmayr, Richard Dünser / Gartenplanung: Kienast & Vogt / Statik: GBD - Diem, Schuler, Pfefferkorn / Kunst: Alfred Graf
Bauherr: Marktgemeinde Lustenau / Österreichischer Bauherrenpreis 1996
Ein eindrucksvolles Beispiel für ein Zusammenspiel von Alt und Neu. Die Architekten Erich Steinmayr und Richard Dünser führten die Qualitäten der bestehenden Gebäudegruppe, geplant 1955 – 58 von der Feldkircher Architektin Adelheid Gnaiger, gemeinsam mit den Architekten Griss und Götsch, fort. Ein zentrales Foyer im dreigeschossigen Gemeindeamt schiebt sich als flacher Verbindungstrakt bis zum doppelt hohen Gemeindesaal. Diese Höhenentwicklung und räumlich spannungsvolle Gliederung konnte Erich Steinmayr mit seinem Entwurf für den Anbau des neuen Bauamts erfolgreich erhalten. Als Spiegelung des Saalprofils reicht ein langgestreckter Baukörper bis zur Grundstücksgrenze. Um die Hierarchie der Baukörper zu zeigen und auch als Zeichen von Bürgernähe, wurde er aber ohne Treppenaufgang niveaugleich zur Straße gesetzt. Zur Straße sind auch die Arbeitsräume gerichtet, der Erschließungsgang, abgeschattet durch hochstämmige Laubbäume, wendet sich zum Garten. Dorthin ist ein nächster Erweiterungsschritt konzipiert.
Bemerkenswert ist aber die Maßnahme, das gesamte Untergeschoss mit Sitzungs- und Arbeitsräumen zu belegen und durch einen breiten, abgesenkten Garten natürlich zu belichten. Die Schweizer Landschaftsplaner Kienast, Vogt und Partner schufen dafür ein Ambiente aus Wasser, Steinfeldern und geschnittenem Buschwerk aus dem Rosen und Efeu bis zur Straße reichen.
Die artifizielle Charakteristik passt zur präzisen Formen- und Materialsprache des Neubaus und ergänzt sich mit dem gestalterischen Selbstbewusstsein der 50er Jahre. Die in Bändern gegliederten Fassadenplatten aus Sandbeton wurden beim Neubau durch dauerhafteren Sandstein ersetzt. Sichtbar verschraubte Aluminiumplatten, mit Eisenglimmer beschichtet, Sonnenschutz-Lammellen, Glas und Beton ergänzen die Materialpalette.
Foto: Margherita Spiluttini