
Mariahilfstraße 18
Planung: Rudolf Wäger
Bauherr: Franz und Helga Gassner
An dem längsrechteckigen Haus und seinen Bewohnern scheint die Unruhe und Hast der Zeit spurlos vorüber gegangen zu sein. Mit Hingabe und liebevoller Aufmerksamkeit ist jede Ecke gepflegt und doch bewohnt. Doch ist nichts davon aus Gold oder aufgeladen mit komplizierter Technik. Einfachste Materialien wurden mit großer Präzision und Sorgfalt geplant und konstruiert und haben durch verständnisvollen Gebrauch trotzdem enorm an Wert gewonnen. Die sichtbare Umsetzung von Konstruktionen zeigt nur Notwendiges und erreicht dennoch ein hohes Maß an Durchgestaltung. Die Textur der gebrannten Ziegel, des verwitterten Holzes und die kräftige Zeichnung des Weichholzes verleihen dem doch recht kleinen Gebäue eine gute Maßstäblichkeit.
Das Erdgeschoss dient als Atelier und Nebenräume, umfasst durch ein Mauerwerk mit ausgesuchten Normalziegeln aus Wiener Neustadt. Stapel von Druckblättern und Skizzen lagern sich ab, wie an der Holzschalung die Flechten. Unter der Stiege findet noch eine Druckerwerkstatt Platz. Auf einen Keller wurde aus Kostengründen verzichtet. Das weitere Gebäude ist in schlanken Holzquerschnitten konstruiert. Einen Stiegenlauf nach oben finden sich ein knapp, aber ausreichend bemessener Wohnraum, sowie zwei Zimmer und ein Bad. Innentüren und Einbaumöbel wurden aus einfachen Tischlerplatten zu einem durchgängigen System gefügt. Die konsequente und sorgfältige Verwendung weniger Materialien verleiht dem Sparsamen Eleganz. Wie in einem Wohnwagen ist jeder Winkel genutzt. Vieles ist gut gebraucht, hat Patina, kaum etwas wurde ausgetauscht.
Ein kräftiges Vordach und die markant vorgezogenen fensterlosen Stirnwände im Obergeschoss verhelfen den Fenstern und Fassadenbrettern aus Holz zu dauerhaftem Wetterschutz und Intimität zur Straße. An den Stirnseiten führen Oberlichtbänder das Licht an der Decke herein, in den Längswänden sitzen die Fenster tiefer oder geben wie ein Passepartout Ausschnitte auf das Gartengrün frei.
Nicht zuletzt weil Entwurf und Bewohner so zueinander passen, erweist sich das Haus als stiller Klassiker der Vorarlberger Baukultur.
„Über das Geistige in der Kunst“ Wladimir Kandinsky. (Buchtipp Franz Gassner)