Geschichte

Ersterwähnungsurkunde im Stivtsarchiv St. Gallen

"Lustenouua“ wurde im Jahr 887 erstmals auf Urkunden erwähnt, die Kaiser Karl III. hier während eines zweimonatigen Aufenthaltes ausgestellt hatte. Lustenau erlebte eine wechselvolle Geschichte, bis es im Jahre 1395, als freier Reichshof, im Pfandwege und später, 1526, durch Kauf an die Reichsritter von Ems gelangte. 1593 kam es zur Teilung des Hofes in das linksrheinische Widnau-Haslach und das rechtsrheinische Lustenau. Große Riedteile im Norden und Süden der Gemeinde sind bis heute in Schweizer Grundbesitz. Daraus entwickelten bis ins letzte Jahrhundert immer wieder heftige Auseinandersetzungen.

Schäden durch Rhein

Rheinhochwasser

Nach einer kurzen bayerischen Herrschaft während der napoleonischen Zeit (1806-1814) kam Lustenau im Jahre 1830, als letzter Teil Vorarlbergs, endgültig zum österreichischen Reichsgebiet. Die Bevölkerung und die Entwicklung des Gemeinwesens litt bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr stark unter den unberechenbaren Fluten des Rheins. Ohne schützende Dämme und durch verzweigte wechselnde Wasserläufe verursachte der Strom alle paar Jahre große Schäden an Häusern und in der Landwirtschaft. Da auch keine nutzbare Wasserkraft zur Verfügung stand, ging die erste Industrialisierungswelle spurlos an Lustenau vorüber.

Stickerei – erste Hochblüte

Automaten-Stickmaschine

1867 wurde die Unterfahrbrücke als erste Rheinbrücke Vorarlbergs eröffnet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Rheinregulierung begonnen. Es wurde ein funktionierendes Entwässerungssystem für das Ried geschaffen. Damit blickten die LustenauerInnen in eine hoffnungsvollere Zukunft. Besonders auch deshalb, weil zur gleichen Zeit die Stickerei eine erste Hochblüte erlebte und das Dorf einen ungeahnten Aufschwung erfuhr. Dies war einer der Gründe, weshalb Kaiser Franz Josef Lustenau am 13. Juni 1902 zur Marktgemeinde erhob.

Lustenau war zu diesem Zeitpunkt bevölkerungsmäßig die drittgrößte Gemeinde nach Dornbirn und Bregenz, bot eine sehr gute Kanalisierung, wartete auf die Fertigstellung der Elektrischen Bahn Dornbirn-Lustenau und sah wirtschaftlich nach der Rheinregulierung einer glücklichen Zukunft entgegen. Damals entfielen von den 4500 Stickmaschinen im Land allein 1000 auf Lustenau.

20. Jahrhundert

Lustenauer Wappenbrief

Das 20. Jahrhundert war geprägt von der zunehmenden Bedeutung des Stickereiwesens in Lustenau, den Schrecken und Alltagsproblemen der beiden Weltkriege, der Zwischenkriegszeit und der Aufbauarbeit der Nachkriegszeit. Die aktive Gestaltung von Wirtschaft, Bildungsangebot, sozialer und kultureller Infrastruktur machte Lustenau zu einer modernen Kommune mit viel Lebensqualität. Die jüngste Geschichte ist durch den wirtschaftlichen Erfolg Lustenauer Unternehmen und die Entwicklung des Ortszentrums geprägt.

Zeitleiste

Wappen Lustenau

ca. 2000 v. Chr.  – Jungsteinzeit
Das erste menschliche Zeugnis in Lustenau ist eine Doritsteinaxt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterhalb der Oberfahrbrücke gefunden wurde. Diese älteste Bodenurkunde Lustenaus stammt aus der Zeit um 2000 v. Chr..    

ca. 1000 v. Chr.  – Bronzezeit
Noch im 19. Jahrhundert wurde bei Grabungsarbeiten im Stalden ein bronzenes Nadelbruchstück gefunden, das sich heute im Besitz des Vorarlberger Landesmuseums befindet.

ca. 350 n. Chr.  – Römer in Vorarlberg
Bereits 1813 wurden im Lustenauer Ried „rechts an der Wiesenrheiner Straße gegen Hohenems hin“ viele römische Münzen gefunden. Siedlungsspuren aus dieser Zeit und davor wurden keine gefunden.

887 – Erste urkundliche Erwähnung
Lustenau wird erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Karl III. stellt während eines längeren Aufenthalts im „Königshof Lustenouua“ mehrere Urkunden aus, auf denen die Gemeinde als Ausstellungsort der Schriftstücke erwähnt wird.

888 – Lustenau geht an die Udalrichinger
König Arnulf schenkt dem Adelsgeschlecht der Udalrichinger den Königshof Lustenau.

1209 – Rheinüberschwemmungen
Die Lustenauer Pfarrkirche wird von den Fluten des Rheins mitgerissen. Im Lauf der Jahrhunderte kommt es immer wieder zu schweren Überschwemmungen im Gemeindegebiet.  Die neuerbaute Kirche wird Jahr 1548 erneut vom Fluss zerstört.

1395 – Hohenemser Herrschaft
Der Reichshof Lustenau gelangt als Pfandbesitz an die Ritter von Hohenems. Ca. 130 Jahre später ging die Pfandschaft dann durch den Kauf derselben in das Eigentum der Ritter von Hohenems über.

1593 – Hofteilung
Die linksrheinischen Lustenauer Gemeindegebiete, also die heutigen Schweizer Gemeinden Widnau und Au spalten sich vom Reichshof Lustenau ab. Die „Schweizer Rieder“ zeugen heute noch von der einstigen Zusammengehörigkeit.

1635 – Pest und Dreißigjähriger Krieg
Eine in ganz Vorarlberg grassierende Pestwelle fordert in Lustenau binnen zweier Monate 52 Opfer. Bereits mehrere Jahre zuvor war die Gemeinde von der Pest heimgesucht und von einquartierten Söldnern verwüstet worden.

1645 – Bau der Lorettokapelle
Der Hofamann Hagen stiftet den Bau des ältesten, heute noch bestehenden Sakralgebäudes.

1767 – Österreichische Annexion
Nachdem die männliche Linie der Reichsgrafen von Hohenems endet, annektiert Österreich den Reichshof Lustenau widerrechtlich. Nach einem langjährigen Reichshofratsprozess erhält Maria Rebekka, die Tochter des letzten Reichsgrafen von Hohenems, die Landeshochheit über den Reichshof Lustenau zurück.  

1830 – Lustenau wird österreichisch  
Lustenau wird endgültig österreichisch. Graf Max von Waldburg-Zeil verzichtet auf die Patrimonialgerichtsbarkeit. Lustenau ist somit das letzte Territorium, das zum späteren Bundesland Vorarlberg stößt.

1867 Erste Rheinbrücke am Unterfahr
Mit der Unterfahrbrücke nach Au wird die erste Rheinbrücke Vorarlbergs eröffnet. 1872 wird die Eisenbahnbrücke über den Rhein gebaut. Lustenau erhält damit Anschluss and das Schweizer Eisenbahnnetz.

1902 – Markterhebung
Lustenau wird durch Kaiser Franz Josef  zur Marktgemeinde erhoben. Zur Markterhebung kommt es vor allem aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung der Stickerei und der Viehzucht.

1923 – Oberer Rheindurchstich
Im Zuge der Rheinregulierung wird der Durchstich zwischen Lustenau und Diepodsau durchbrochen. Seither gab es in Lustenau keine schwerwiegenden Überschwemmungen mehr.

1950 – Erste freie Gemeindewahlen in der II. Republik
Die Lustenauer ÖVP erringt bei den ersten Gemeindewahlen nach dem Zweiten Weltkrieg die absolute Mehrheit und stellt mit Josef Bösch weiterhin den Bürgermeister.

1982 – Ende der Ära Robert Bösch
Bürgermeister Robert Bösch (FPÖ) tritt nach zweiundzwanzigjähriger Amtszeit ab. Bis zum Jahr 2010 stellt weiterhin die FPÖ den Bürgermeister. Seit 2010 leitet Bürgermeister Dr. Kurt Fischer (ÖVP) die Geschicke der Gemeinde.

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