Seit 25 Jahren ein Netzwerk der Menschlichkeit 19. Juli 2018

Verena Fitz_Martha Grabher_©Markus Gmeiner (2) Fürsorge und Seelsorge schenken, Einsamkeit durchbrechen, schöne Begegnungen und Gespräche haben, das Leben lebenswert machen: Die Betreuung durch die Helferinnen und Helfer des Mobilen Hilfsdienstes berührt.

Einmal in der Woche bekommen Rosa und Jakob Feuerstein besonderen Besuch: Martina Noyan vom Mobilen Hilfsdienst MOHI wird erwartet. Sie unterstützt das betagte Paar schon lange im Haushalt und erleichtert ihnen den Alltag. Martina ist in den vielen Jahren zu einer wichtigen Bezugsperson geworden. Dank ihrer Hilfe können Rosa und Jakob immer noch im vertrauten Zuhause leben. Ein Hilfsdienst, der seit 25 Jahren in Lustenau angeboten wird. Könnte es einen schöneren Grund geben, ein Jubiläum zu feiern?

Netzwerk mit Herz

Was 1993 mit 19 Helferinnen begonnen hat, hat sich in 25 Jahren zu einem unverzichtbaren Netzwerk der Menschlichkeit entwickelt. 127 Helferinnen und Helfer kümmern sich im Jubiläumsjahr 2018 um ältere oder betreuungsbedürftige Menschen zuhause. Manche sind seit der ersten Stunde dabei. Wie Karin Peter, die jetzt 70 ist und noch eine 83-jährige Dame begleitet. „Wir haben klein, aber mit großem Enthusiasmus angefangen. Für ältere Menschen da zu sein, ihnen zuzuhören und den Alltag zu erleichtern, erfüllt mich bis heute." Verena Fitz ist mit 28 Jahren eine jüngere MOHI-Helferin in Lustenau. Die gelernte Textiltechnikerin ist Quereinsteigerin. Sie wollte lieber mit Menschen arbeiten, so wie ihre Mutter beim MOHI, und betreut jetzt Klientinnen und Klienten zwischen 78 und 91 Jahren. „Ich finde es schön, mir jeweils zwei Stunden für die Menschen Zeit zu nehmen, wirklich für sie da zu sein und ihnen genau das zu geben, was sie brauchen“, erzählt die junge Helferin.

MOHI-Mitarbeiterinnen 2018 Ein unverzichtbares Netzwerk der Menschlichkeit: Der Mobile Hilfsdienst Lustenau feiert sein 25-jähriges Jubiläum.

Selbstbestimmt zuhause leben dürfen

MOHI-25-Jahre-Feier_78 Feierten gemeinsam das Jubiläum vom MOHI Lustenau: Altbürgermeister Hans-Dieter Grabher, die frühere MOHI-Leiterin Sigrid König, Sozialdienste-Geschäftsführerin Hedwig Natter, MOHI-Leiter Sigi Hämmerle, Alt-Gemeinderätin Sieglinde Maksymowicz, Willi Oberfrank (früherer Leiter der Sozialabteilung), Bürgermeister Kurt Fischer, Sozialgemeinderätin Susanne Andexlinger, Martin Herburger (Land Vorarlberg) und Markus Rusch (Gruppe Soziales, Gesundheit und Zusammen.Leben)

„Für alte Menschen da zu sein und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zuhause zu ermöglichen - das war auch unser Antrieb vor 25 Jahren", blickt Sigrid König, die frühere MOHI-Leiterin, auf die Anfänge 1993 zurück. Das damalige Team leistete Pionierarbeit im Land und hatte eine Vision, an der sich bis heute nichts geändert hat. Mit Unterstützern aus der Verwaltung und Politik wurde eine österreichweit einzigartige Arbeitsgemeinschaft aus Marktgemeinde, Krankenpflegeverein, Rotem Kreuz, den Bruderdiensten aller drei Pfarreien, Frau Holle, Kneippverein, Pensionistenverband, Seniorenbund und Vertretern der Ärzteschaft gegründet. Fünf Jahre später, 1998 wurde diese Idee landesweit übernommen. In jeder Vorarlberger Gemeinde sollte ein Mobiler Hilfsdienst nach Lustenauer Vorbild entstehen. Seit 2013 gehört der MOHI zu den Sozialdiensten Lustenau. „Mit den zunehmenden gesellschaftlichen Veränderungen hat sich auch der Mobile Hilfsdienst entwickelt und sein Angebot stetig erweitert“, berichtet Sigi Hämmerle, der 2014 die Leitung des Mobilen Hilfsdienstes von Sigrid König übernahm.

Angebot Schritt für Schritt ausgebaut

2006 wurde die Tagesbetreuung durch den Mobilen Hilfsdienst eröffnet. Für ältere Menschen ein willkommener Tapetenwechsel und eine Gelegenheit, sich außerhalb der eigenen vier Wände auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Die Gäste sollen einen abwechslungsreichen Tag oder Nachmittag verbringen und am Abend zufrieden nach Hause gehen, wünschen sich die speziell geschulten Betreuerinnen. Auch Entlastung für pflegende Angehörige ist gewährleistet. 2010 wurde die Idee zum Mittagstisch geboren. Jeden dritten Mittwoch im Monat kommen hier Seniorinnen und Senioren zum Mittagessen in einem Gasthaus zusammen. Ein gemütliches Treffen, das sich von Anfang an größter Beliebtheit erfreut und das die MOHI-Mitarbeiterinnen ehrenamtlich begleiten. Das jüngste Angebot gibt es seit dem letzten Jahr - „OTAGO“ ist ein auf Senioren zugeschnittenes Sturzpräventionsprogramm.

Zeit und soziale Wärme spenden

Das wichtige Anliegen des Mobilen Hilfsdienstes ist die Förderung der Lebensqualität und Selbständigkeit der betreuten Klientinnen und Klienten sowie die Entlastung von betreuenden und pflegenden Angehörigen. Die MOHI-Dienstleistungen reichen von der mitmenschlichen Begleitung bis zu hauswirtschaftlichen Hilfen. „Fahrräder putzen wir nicht, wie sich ein Anrufer einmal erkundigte", schmunzelt Sigi Hämmerle über eine Anekdote. „Wir geben Hilfestellung und Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens und möchten dazu beitragen, dass ältere oder betreuungsbedürftige Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Durch Zuhören, Vorlesen, Spazierengehen, die Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen oder durch Hilfe im Haushalt. „In unserer Arbeit geht es um Menschen. Wenn ein Klient uns ausrichtet wie wohl er sich fühlt. Wenn eine Klientin in den Arm genommen wird und alles ist wieder gut für sie. Wenn Angehörige uns wissen lassen, wie sehr sie die Betreuung schätzen … Das sind die Früchte unserer täglichen Arbeit. Ich empfinde es als Privileg, so viel Dankbarkeit und Wertschätzung erfahren zu dürfen.“

Beruf mit Zukunft

Verena Fitz_Martha Grabher_©Markus Gmeiner (5) Zusammen sind sie ein sympathisches Team, in dem eine von der anderen lernen kann: MOHI-Helferin Verena Fitz mit ihrer Klientin Martha Grabher.

Die Arbeit beim Mobilen Hilfsdienst ist direkt mit und bei den Menschen und angesichts der demografischen Entwicklungen ein Beruf mit Zukunft. „Es werden immer mehr Menschen, Unterstützung und Hilfe im Alter benötigen. Das ist die Herausforderung, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen wird“, betont Sigi Hämmerle und lässt die Anstellungsverhältnisse der MOHI-Mitarbeitenden, die Finanzierung der Betreuung und das Finden und Binden von Mitarbeitenden nicht unerwähnt. Um Helferin oder Helfer zu werden, sind ein MOHI-Grund- und Aufbaukurs, ein Erste-Hilfe-Kurs, Validationskurse, Unterrichtseinheiten zum Thema „Schweigepflicht“ und „Biographiearbeit“ zu absolvieren. Zusätzlich werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern laufende Aus- und Weiterbildungsangebote wie ein Teamabend oder Vorträge angeboten. MOHI-Mitarbeitende habe auch die Möglichkeit, die Heimhelfer-Ausbildung mit Abschlusszertifikat zu machen.

MOHI Mobiler Hilfsdienst

Schützengartenstraße 8
Montag bis Freitag von 8.00 – 11.30 Uhr
Dienstag und Donnerstag von 14.00 – 16.00 Uhr
 05577 84311-6601
mohi@lustenau.at