Lustenau stickt für die Welt

Stickereihochburg

Der Grundstoff für die glamouröse Garderobe stilbewusster Afrikaner kommt aus Vorarlberg, ebenso wie der vieler Glanzstücke der Haute Couture: aus den Stickereien in Lustenau.

1753 hielt die Stickerei als Veredelung heimischen Leinens in Lustenau Einzug. Anfangs in Heimarbeit vergeben, werden die exquisiten Muster heute auf einer Vielzahl von Geweben industriell appliziert. Trotz der hochmodernen Stickmaschinen, die Vorarlberg weltweit zu einem Marktführer machen, erfordert die Bearbeitung vieler Stoffe auch Handarbeit: Bei der Lochstickerei wird mit der Schere nachgeholfen, und besonders aufwändig sind die Pailletten- oder Reliefstickereien. Genau diese Spitzenleistungen sind es, welche in den Haute-Couture-Häusern von Mailand, Paris und London für Kleider, Accessoires und Lingerie gefragt sind. Einige Kreationen daraus haben auch die Fashion Week von New York erobert.

African Lace aus Lustenau

African Lace II (c) moussa moussa

In pompöser Qualität und leuchtend bunten Farben gehalten, bezaubern die Vorarlberger Stickereien unter anderem den nigerianischen Markt, seit eine Vorarlberger Delegation sie Anfang der 1960er Jahre dort vorstellte. Heute wird die Hälfte der gesamten Produktion nach Afrika verkauft - es ist die Liebe zu Glanz und Opulenz, die diesen Export-Erfolg möglich macht.

Die mitunter auch mit Rolls-Royce-Logos oder anderen prestigeträchtigen Emblemen bestickten, teuren Gewänder gelten als sichtbares Zeichen materiellen Wohlstands und die Stoffe werden von Frauen und Männern mit Leidenschaft getragen. Zu Hochzeiten oder Begräbnissen ist Aso Ebi, die „Uniform der Verwandten“, verpflichtend: Die Kleider aller geladenen Gäste sind dabei aus dem gleichen festlichen Stoff, einer African Lace aus Vorarlberg.

ORF-Beitrag "Heute Leben", Lustenau stickt für die Welt

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