50. Todestag von Alfred Salzgeber 31. Juli 2017

Portrait Alfred Salzgeber

Am 4. August jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Alfred Salzgeber. Er starb im Alter von 83 Jahren und stand bis zu seinem Tod als Pfarrer von St. Peter und Paul in Amt und Würden.

Fünf Jahre zuvor war ihm als erstem Gemeindebürger die Verleihung des Ehrenrings der Marktgemeinde Lustenau zuteil geworden. Diese erfolgte aufgrund seiner damals bereits fünf Jahrzehnte währenden seelsorgerischen Tätigkeit in Lustenau. Wie ein Blick ins Gemeindeblatt vom 16. Juni 1962 verrät, wusste auch die Kirchengemeinde das Jubiläum würdig zu feiern und verrät uns viel über den Jubilar:

Auszug Gemeindeblatt 1962:

„Sonntag, 24.6. Patroziniumsfeier St. Peter und Paul und zugleich festliche Begehung der 50-jährigen Seelsorgstätigkeit des H. H. [Hochwürdigen Herrn] Pfarrer Alfred Salzgeber, mit festtgl. Gottesdienst; Heiligtagopfer. Er wirkte als Katechet in Lustenau ab Mai 1912 bis 1922; als Frühmessner bis 1945 und ab dort bis zum heutigen Tag als Pfarrer. Die Festpredigt hält H. H. Albert Hollenstein von Bregenz, Mariahilf. Der Kirchenchor St. Peter und Paul führt aus diesem Anlaß [sic] die Lieblingsmesse des Jubilars die Theresienmesse von Haydn mit großem Orchester, auf.“

Bereits in jungen Jahren sehr engagiert

Alfred Salzgeber wurde nach der Absolvierung seines Theologiestudiums im Alter von 24 Jahren zum Priester geweiht. Bei seinem Dienstantritt in Lustenau war der am 7. April 1884 in Bludenz geborene Alfred Salzgeber 28 Jahre alt. Als Katechet war es seine Aufgabe im Ort den Religionsunterricht zu erteilen. Daneben engagierte sich der junge Priester jedoch auch für die Kirchenmusik. Während des Ersten Weltkrieges, von 1916 bis 1918, übernahm Alfred Salzgeber erstmal die Leitung des Kirchenchors und war gleichzeitig als Organist tätig. Bereits zwei Jahre später war er wieder im Kirchenchor tätig. Die Festschrift „100 Jahre Kirchenchor St. Peter + Paul Lustenau“ dokumentiert, „daß [sic] damals Bläser und Orchestermessen auf der Tagesordnung standen,“ seit von „1920 an [..] nun die Leitung des Chores in den bewährten Händen des Katecheten [...lag.]“

Organist und Chorleiter

Kirchenchor 1936 - Alfred Salzgeber Der Lustenauer Kirchenchor im Jahr 1936 mit seinem langjährigen Chorleiter Alfred Salzgeber (unterste Reihe, 5. von links). (Fotograf: unbekannt)

Da er von 1921 bis 1931 ein weiteres Mal auch als Organist einsprang, ergab sich aus dieser Doppelfunktion sicher auch die eine oder andere Schwierigkeit. So regten etwa Ausschussmitglieder des Kirchenchores „in der Sitzung vom 9. Januar 1929 [an], ob nicht irgendwo ein guter Organist aufzutreiben wäre, da der Herr Frühmesser nicht orgelspielen und zugleich dirigieren könne.“

Bis 1946, also insgesamt 28 Jahre lang, führte Alfred Salzgeber den Kirchenchor zu Höchstleistungen. Auszüge aus einer 1936 in einer österreichischen Musikzeitschrift erschienenen Konzertkritik zeigen das hohe damalige musikalische Niveau auf:

Auszug Musikzeitschrift 1936:

„Das vom 27. bis 29. Juli lfd. Js. In Lustenau abgehaltene 5. Vorarlberger Bundesmusikfest gab uns willkommene Gelegenheit, einer anläßlich [sic] des Patroziniums der Pfarrkirche am Peter- und Paulstage veranstalteten Aufführung der Mariazellermesse von Joseph Haydn beizuwohnen. Es sei vorweggesagt, daß [sic] die unter der feinsinnigen Leitung des Herrn A. Salzgeber stehende Wiedergabe des berühmten Werkes die Erwartungen weit übertraf und als schlechthin vollkommen bezeichnet werden muß [sic]. […] Er war stets darauf bedacht, das gut eingespielte Orchester dem Chore unterzuordnen, er verstand es, durch richtige Tempoannahme das Werk in wirklich würdiger Weise zu Gehör zu bringen, er gab aber durch seine abgestufte Dynamik der Wiedergabe plastisches Leben. […] – Die Aufführung ließ klar erkennen, daß [sic] es sich hier nicht um eine für einen bestimmten Tag sorgsam vorbereitete, einmalige Leistung handelte. – “

Renovierung von St. Peter und Paul unter Alfred Salzgeber

Kirchenfenster - Alfred Salzgeber Das von Pfarrer Alfred Salzgeber und seinen Geschwistern gestiftete Kirchenfenster stellt die Verkündigung des Herrn dar.

Aus der eingangs zitierten Gottesdienstordnung anlässlich seines Jubiläums geht allerdings nicht hervor, dass Alfred Salzgeber bereits ab 1940 als Pfarrprovisor den aus dem Gau Tirol-Vorarlberg verbannten Lustenauer Pfarrer Gebhard Baldauf vertrat. In dieser Funktion waren er sowie auch die kirchlichen Einrichtungen in der Gemeinde harten Repressionen durch die herrschenden Nationalsozialisten ausgesetzt.

Nachdem Gebhard Baldauf im Jahr 1944 in Lindau verstarb, trat Alfred Salzgeber seine Nachfolge als Pfarrer an. Unter seiner Ägide wurde in den 1950er-Jahren die Kirche St. Peter und Paul renoviert und, unter teils sehr kontroversiell geführten Diskussionen, umgebaut. Eines der vom Künstler Edzard Seeger entworfenen und von der Firma Tiroler Glasmalerei Innsbruck in den Jahren 1952 bis 1953 angefertigten Kirchenfenster „gewidmet v H Pfarrer A. Salzgeber Lustenau und seinen Geschwistern“ erinnert noch heute an den ersten Ehrenringträger der Marktgemeinde Lustenau.