Archivgespräch beleuchtete Blasmusik 21. Mai 2026
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Am 11. Mai fand im Rathaussaal ein Vortrag über den Musikverein Lustenau statt. Dabei richtete die an der Uni Innsbruck tätige Historikerin Mag. Andrea Sommerauer den Fokus auch auf die Schattenseiten der Geschichte des 140 Jahre alten Vereins.
Die Gründung des Vereins im Jahr 1886 erfolgte als Abspaltung vom Musikverein „Harmonie“ und ist auf die damaligen politischen Spannungen im Verein und in der Gemeinde zurückzuführen. Schon der damals gewählte Name „Musikverein Cäcilia Lustenau“ weist auf eine große Nähe zum katholisch-konservativen Lager hin. Bezeichnenderweise erfolgte die Bezahlung des Kapellmeisters später durch die Christlich-Soziale Partei.
Engagement für den autoritären Ständestaat
Wie die Vortragende schilderte, nahm die „Cäcilia“ ihre während des Ersten Weltkriegs ruhende Vereinstätigkeit schon bald nach Kriegsende wieder auf. Auch in der Zwischenkriegszeit hielt das Engagement der Blasmusikkapelle für das katholische Lager an. Die von der Referentin angeführten Auftritte 1920 beim Katholikentag in Dornbirn sowie 1923 ein Ständchen für Bundeskanzler Ignaz Seipel und Aufmärsche für die paramilitärische Heimwehr verdeutlichen dies. Im autoritären Ständestaat begleitete der Verein die Veranstaltungen der Vaterländischen Front und versuchte eine Unterwanderung durch Nationalsozialisten zu unterbinden.
Vereinsauflösung durch die Nationalsozialisten
Nach dem „Anschluss“ an Deutschland im Jahr 1938 erhöhte sich der politische und organisatorische Zugriff auf die Blasmusikkapellen im Land. Anfangs wirkte neben den zwei anderen Blasmusikvereinen „Harmonie“ und „Concordia“ auch die „Cäcilia“ noch bei NS-Propagandaveranstaltungen mit. Die Vereinsverantwortlichen versuchten den Verein als Teil der Volksgemeinschaft weiterzubetreiben. Dies konnte allerdings die behördliche Auflösung im Sommer 1938 nicht verhindern. Die Instrumente mussten abgegeben werden, das beträchtliche Vereinsvermögen wurde von den NS-Behörden eingezogen.
Wiederbeginn mit neuem Namen
Schon wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete sich der Verein unter dem schlichten Namen „Musikverein Lustenau“ neu. Es war dies eine bewusste Entscheidung des damaligen Vorstandes, um den Verein und sein Wirken ein gutes Stück weit zu entpolitisieren. Seit 1947 erfolgte die Etablierung einer Jugendkapelle, welche der Nachwuchsförderung dient. Auch bei der Aufnahme von weiblichen Mitgliedern in die Formation war der Musikverein Lustenau Ende der 1960er Jahre einer der ersten Vereine im Land. Heute liegt der Frauenanteil im Verein bei rund 63 Prozent.
Umgang mit „schwierigem Erbe“
Abschließend ging die Referentin auf die politische Dimension des heute noch von vielen Blaskapellen gespielten belasteten Liedgutes ein. Bei der darauf anschließenden Diskussion waren die Meinungen über den Umgang mit historisch kontaminiertem Liedgut geteilt.