Archivgespräch zu Gast bei der Hofkultur 22. September 2020

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Über 40 Besucherinnen und Besucher ließen sich am Montag, den 7. September, das Archivgespräch am Gutshof Heidensand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hofkultur“ nicht entgehen. Oliver Heinzle vom Gemeindearchiv referierte vor Ort über die Geschichte des Gemeindegutshofes.

Archiv zu Gast bei der Hofkultur

Der Referent stellte fest, dass sich in der Geschichte des Gutshofes viel von der allgemeinen Historie des 20. Jahrhunderts spiegelt und dass dieser, je nachdem aus welchem politischen Lager die Quellen stammen, durchaus sehr unterschiedlich wahrgenommen worden ist. Die Errichtung des Gutshofes ist eng mit dem von 1924 bis 1927 erfolgten Bau des Versorgungsheimes verknüpft, da dort für dessen Bewohner Nahrungsmittel produziert wurden und das Versorgungsheim wiederum Arbeitskräfte für die landwirtschaftlichen Arbeiten stellte. Eine Kultivierung des gemeindeeigenen Bodens am Heidensand, das zuvor immer wieder Überschwemmungsgebiet war, konnte allerdings erst im Zuge der Rheinregulierung und der Fertigstellung des Diepoldsauer Durchstiches ab dem Jahr 1923 erfolgen.

Politische Auseinandersetzungen

Wie der Vortrag von Oliver Heinzle verdeutlichte, beschäftigte der Gutshof die Gemeindepolitik seit Beginn an immer wieder. Die starken politischen Lagerkämpfe in Lustenau, vor allem in Bezug auf die Besetzung des Verwalterpostens, spielten für den Gutshof eine entscheidende Rolle und führten sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch in der Zeit des Nationalsozialismus und danach jeweils zu einer Neubesetzung der Stelle.

a Heidensand 01 (50) Erntearbeiten am Heidensand in den 1950er Jahren.

Weiterer Vortrag bei nächster Hofkultur

Ein weiterer Vortrag wird sich bei der nächsten Auflage der Hofkultur 2021 mit den Ereignissen ab den 1950er Jahren auseinandersetzen und sich mit dem damaligen Wandel in der Landwirtschaft, den Betriebsansiedelungen auf dem Land des Gutshofes, der Verpachtung der Liegenschaft, dem Aufkommen eines allgemeinen Umweltschutzbewusstseins und auch der Frage nach einer „bäuerlichen Identität“ in Lustenau beschäftigen. Eine erweiterte Fassung der beiden Vorträge wird in einer der kommenden Ausgaben der Lustenauer Neujahrsblätter erscheinen. Damit werden auch all jene, die vergangene Woche verhindert waren, die interessante Geschehnisse rund um den sich heute noch in Gemeindebesitz befindenden Gutshof nachlesen können.