Archivspaziergang am Alten Rhein 30. Mai 2017

Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Hofkultur“ traf sich am vergangenen Freitag, den 26. Mai, eine große Gruppe Geschichtsinteressierter am Gutshof Heidensand, der den Startpunkt für den Archivspaziergang bildete.

Archivmitarbeiterin Vanessa Waibel sprach zu Beginn über die Geschichte und Bedeutung des Gutshofs Heidensand, der eng mit dem in den 1920ern neu erbauten Versorgungsheim an der Schützengartenstraße verbunden war. Er lieferte Gemüse, Milch und Fleisch an das Versorgungsheim, arbeitsfähige Bewohner mussten bei Erntearbeiten mithelfen. Im Jahr 1924 wurde mit der Bewirtschaftung des Bodens am Heidensand begonnen, das erste Gebäude wurde 1926 gebaut. Nach häufigen Verwalterwechseln startete mit Verwalter Hugo Waibel 1948 eine lange Periode der Beständigkeit bis 1966. Ab 1966 wurde der Gutshof verpachtet, die letzte Nutzung erfolgte als Reitstall. Vanessa Waibel ging auch auf die aktuellen Pläne am Gutshof ein, die neben der biologischen Bewirtschaftung durch mehrere Lustenauer Bauern, einer sozialen Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Integra ebenso die Öffnung und Zugänglichkeit für die Lustenauer Bevölkerung beinhaltet wie zB die Veranstaltungsreihe „Hofkultur“.

Galli Küng und Schweizer Riedstreit

Im Anschluss an die Begrüßung spazierte die von Gemeindearchivar Wolfgang Scheffknecht geführte Gruppe los und machte einen ersten Halt beim Areal des Szene Openairs. Dort erzählte Wolfgang Scheffknecht vom berühmten „Galli Küng“ (Gallus König), ein gefürchteter Landsknecht zur Zeit des Schmalkaldischen Kriegs, der sich Land auf Land ab einiges zuschulden hatte kommen lassen und sich auf der Flucht in den Rheinauen bei Lustenau versteckte. In einer Lustenauer Sage lebt er noch heute fort. Weiter ging es auf dem Seelachendamm, wo Wolfgang Scheffknecht viele Details zu den Schweizer Riedern und dem daraus resultierten Schweizer Riedstreit berichtete.

Endpunkt am Rohr

Die Teilnehmer kamen noch in den Genuss vieler weiterer interessanter Bemerkungen zur Geschichte, bevor die letzte Station des Spaziergangs, das Rohr, erreicht war. Wolfgang Scheffknecht sprach zum Thema Schmuggel, der nicht erst seit jüngerer Zeit ein Thema war, zu den Fährübergängen, die im Laufe der Zeit durch Brücken abgelöst wurden und kam schließlich zur Bedeutung des Rohrs als Fluchtweg in der NS-Zeit, Schicksalsort für zahlreiche jüdische und auch politisch verfolgte Menschen. Eine Station des Historischen Radrundwegs erinnert hier auch an Paul Grüninger, der durch sein couragiertes Handeln rund 2000 - meist jüdische – Flüchtlinge rettete.

Nach einem gemütlichen Rückweg zum Gutshof - wiederum über den Seelachendamm - nutzten noch viele Teilnehmer des Archivspaziergangs die Möglichkeit, sich bei einem kalten Getränk im Schatten der Heuhalle auszutauschen.