Die Weisheit der Vielen für Betreuung und Pflege nutzen 19. Dezember 2017

Am 12. Dezember wurde der Abschluss der Konzeptentwicklung „Betreuung und Pflege in Lustenau“ im Schützengarten gefeiert. 70 Menschen aus 20 verschiedenen Einrichtungen und aus der Bevölkerung haben sich in dem zweijährigen Prozess eingebracht und gemeinsam Leitlinien und Ideen erarbeitet, wie die Lustenauerinnen und Lustenauer im Alter zukünftig bedarfs- und bedürfnisgerecht versorgt werden können.

Konzept Betreuung und Pflege_Präsentation (5) Die Projektgruppe feierte den Abschluss intensiver Arbeit: vlnr Silvia Benz (Abteilung Soziales), Gemeinderätin Susanne Andexlinger, Projektbegleiter Florian Oberforcher, Landesrätin Katharina Wiesflecker, Gruppenleiter Markus Rusch, Hedwig Natter (GF Sozialdienste), Bürgermeister Kurt Fischer, Elisabeth Mair-Hille (Servicestelle für Betreuung und Pflege), Karin Blank (Krankenpflegeverein), Projektbegleiter Martin Hebenstreit und Sigi Hämmerle (Mobiler Hilfsdienst)

„Das Fest der älteren Mitbürger wurde 50 Jahre lang an einem Tag abgehalten. Aufgrund der steigenden Zahl älterer Menschen in Lustenau ist der Reichshofsaal zu klein geworden, sodass wir seit letztem Jahr zwei Tage lang feiern“ unterstrich Bürgermeister Kurt Fischer einleitend die Wichtigkeit dieses Konzeptes und brachte den Gedanken der kommunalen Intelligenz des Neurobiologen Gerald Hüther ins Spiel: „Es ist wichtig, dass die vielfältigen Potentiale in der Gemeinde genutzt und entfaltet werden können.“

Zwei Jahre intensive Projektarbeit

Konzept Betreuung und Pflege_Präsentation Albert Lingg, Martin Herburger, Hedwig Natter und Frederic Fredersdorf freuten sich über den Projektabschluss.

Markus Rusch, der Gruppenleiter für Bürgerservice und Soziales im Rathaus und gemeinsam mit Silvia Benz auch Verantwortlicher für die Konzeption, skizzierte in seiner Einführung die Entstehungsgeschichte: „Seit rund zwei Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit der Materie und machen uns Gedanken darüber, wie ein gutes Leben im Alter und die zukünftige Betreuung- und Pflege in Lustenau aussehen sollen. Unter dem Motto ‚Die Weisheit der Vielen‘ beteiligten sich Bürgerinnen und Bürger sowie Fachleute an unserem Projekt. Die Prozessbegleiter Martin Hebenstreit und Florian Oberforcher haben uns dabei in neun Workshops begleitet. Auch Dr. Albert Lingg, früherer Primar im LKH Rankweil, unterstützte das Projekt in vier Workshops mit seinem Fachwissen. Außerdem haben wir die Ergebnisse einer Studie der Fachhochschule Vorarlberg unter der Leitung von Frederic Fredersdorf berücksichtigt. In dieser wurden die Bedürfnisse von Menschen über 60 Jahren in Lustenau erhoben. Auf dieser Grundlage haben wir vier Themenfelder definiert, die uns die nächsten zehn Jahre beschäftigen werden.“

Die Weisheit der Vielen nutzen

Wichtiger Punkt des Pflege- und Betreuungskonzepts sind die Potentiale älterer Menschen, die es unabhängig von sozialen Gegebenheiten zu nutzen gilt. „Vorrangiges Ziel der Betreuung muss es sein, die Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter zu erhalten“, hob Landesrätin Katharina Wiesflecker den vorbildlichen Beteiligungsprozess hervor. „Der Zugang zu Betreuung und Pflege muss niederschwellig gestaltet sein.“

Soziales Umfeld stärken

In dem Konzept findet sich in allen Lebensbereichen eine Reihe von Maßnahmen, die ein gutes Leben im Alter ermöglichen sollen. Für ältere Menschen ist ein Netz nachbarschaftlicher Beziehungen sehr wichtig. So können Begegnungen und der Dialog zwischen jüngeren und älteren Menschen gefördert werden, was auch pflegende Angehörige entlasten kann. Sozialgemeinderätin Susanne Andexlinger hob die Wichtigkeit sozialer Kontakte am Beispiel einer Studie hervor: „Befragt man über 90-Jährige, antworten sie, dass sie sich etwa 20 Jahre jünger fühlen. 80 Prozent von ihnen machen mindestens eine halbe Stunde pro Tag Bewegung, 90 Prozent der Befragten finden soziale Kontakte sehr wichtig und haben jemanden, mit dem sie eine enge Beziehung pflegen. Ich schließe mich diesem Umfrageergebnis mit einem Zitat von Joachim Bauer, der als Oberarzt an der Uniklinik Freiburg arbeitet, an: ‚Sozial verbunden zu sein, hält gesund!‘“

Im gewohnten Umfeld Alt werden

Beim Thema Wohnen geht es vor allem darum, möglichst lange in gewohnter Umgebung bleiben zu können. Um dies zu erreichen, sind Projekte für gemeinschaftliches Wohnen, barrierearme Wohnungen oder betreute Wohngemeinschaften zu schaffen. Auch Pflegefamilien für ältere Menschen wurden thematisiert und geprüft. In punkto Mobilität ist nicht nur die sichere Gestaltung öffentlicher Räume, beispielsweise die vorrangige Schneeräumung auf Gehwegen, wichtig. Nahversorgung sollte erhalten und der öffentliche Verkehr weiter ausgebaut werden, um die Mobilität und Selbstständigkeit der Senioren zu stärken. Auch Mitfahrbörsen wurden hier als Maßnahmen ins Spiel gebracht.

Zusammenarbeit und bürgerschaftliches Engagement fördern

Die Kooperationen der beteiligten Institutionen zu vertiefen, wird ebenfalls als wichtig betrachtet. So können pflegende Angehörige besser begleitet, betreut, aber auch beteiligt werden. Angebote für Betreuung und Pflege müssen mobiler und flexibler werden, sowie in genügender Anzahl zur Verfügung stehen. Nachbarschaft und bürgerschaftliches Engagement stellen eine Hilfe zur Selbsthilfe dar. Hier ist auch der Kostenfaktor wichtig, denn alle pflegebedürftigen Menschen sollen sich Pflege leisten können. Die Gemeinde sorgt auch dafür, dass die Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen attraktive Arbeitgeber bleiben und somit eine ausreichende Zahl an Pflegekräften zur Verfügung steht.

Das Konzept Betreuung und Pflege war ein Grund zum Feiern