News Eine kurze Geschichte des Lustenauer Gemeindeblatts 27. Januar 2021

Das erste Blättli vom 1. Juli 1883 erschien noch im Format A5. Es ist ebenso wie sämtliche weiteren Ausgaben im Historischen Archiv der Marktgemeinde in gebundener Form einsehbar. Da diese Jahrgangsbände eine wertvolle historische Quelle darstellen, erfolgt derzeit die Digitalisierung der frühen Ausgaben, um sie über die von der Österreichischen Nationalbibliothek betriebene Onlineplattform www.anno.at öffentlich zugänglich zu machen.

Bis 1883 verfügte die Gemeinde Lustenau nicht über ein eigenes Publikationsorgan. Wer also etwas zu verlautbaren hatte – beispielsweise, dass er Kartoffeln zu verkaufen hatte – musste sich im Laufe der Woche zum Gemeindeamt begeben und hier einen entsprechenden Text abgeben. Zusammen mit den amtlichen Verlautbarungen wurden diese Mitteilungen jeweils am folgenden Sonntag nach dem Gottesdienst durch einen Gemeindebediensteten am Kirchplatz öffentlich verlesen.

Diese Prozedur, „Rufen“ genannt, dauerte – je nachdem, wie viele Verlautbarungen publiziert werden mussten – eine Viertel- bis eine halbe Stunde. Diese Praxis schien schließlich der stark wachsenden Gemeinde nicht mehr angemessen. Häufig wurde darüber geklagt, dass die Verlautbarungen nicht die „nöthige Verbreitung“ erlangten, „wodurch dem Einzelnen oft Unannehmlichkeiten und Schädigungen“ entstünden. Daher beschloss die Lustenauer Gemeindevertretung am 14. Juni 1883, „nach dem Vorbild des Dornbirner Gemeindeblattes“ ein eigenes Publikationsorgan herauszugeben. Dieses sollte vorerst probeweise für ein halbes Jahr, vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 1883, erscheinen.

Das „Lustenauer Gemeindeblatt. Organ für alle gemeindeamtlichen Bekanntmachungen“, wie der offizielle Name der neuen Publikation lautete, wurde am Sonntag dem 1. Juli 1883 erstmals ausgeliefert. Das „Blättli“ – so wurde es im Volksmund bald genannt – erwies sich als voller Erfolg. Es erschien auch nach dem Ende des Probebetriebs weiter. Dieser Zuspruch war anfangs allerdings keineswegs selbstverständlich, denn das Gemeindeblatt wurde gleich nach seiner Geburt Gegenstand einer heftigen parteipolitischen Auseinandersetzung. Die damalige Oppositionspartei bekämpfte es erbittert. Im „Vorarlberger Volksblatt“, dem Organ der Christlichsozialen, erschienen mehrere Artikel, in denen anfangs gegen das Lustenauer Gemeindeblatt polemisiert wurde.

letztes GB 1940 quer Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Erscheinen des Gemeindeblatts mit 31. März 1940 eingestellt.

Das Gemeindeblatt erscheint seit dem 1. Juli 1883 bis heute einmal wöchentlich. Nur einmal wurde das „Lustenauer Gemeindeblatt“ vorübergehend eingestellt, in den Kriegsjahren 1940 bis 1945. Am 31. März 1940 teilte der damalige Lustenauer Bürgermeister den Abonnenten des „Blättli“ mit, dass dieses „aus zwingenden Gründen“ sein Erscheinen einstellen müsse. An die Stelle der sachlich-nüchternen Darstellung des altehrwürdigen Gemeindeblatts sollte „die aufrüttelnde Einwirkung der politisch ausgerichteten Tages- und Wochenpresse“ treten. Daher werde die Marktgemeinde ihre amtlichen Verlautbarungen fortan im „Vorarlberger Landboten“ oder im „Vorarlberger Tagblatt“ veröffentlichen.

Erstes GB 1945 quer Das erste Gemeindeblatt nach dem Krieg erschien am 19. Mai 1945.

Bald nach Kriegsende, am 19. Mai 1945, einem Samstag, erschien das Lustenauer Gemeindeblatt erstmals, und in der Folge wöchentlich, wieder. Die Tatsache, dass als Grund für die Einstellung des Gemeindeblatts im Jahr 1940 in einer Mitteilung an die Bevölkerung in der ersten Nachkriegsausgabe nur „unerklärliche Gründe“ angegeben wurden, deutet auf eine der vielen Facetten der Verdrängung der Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus hin. Der Blick in die Vergangenheit und damit auf die NS-Diktatur wurde damals wohl oftmals lieber vermieden.

Der Charakter des Lustenauer Gemeindeblatts ist über einen Zeitraum von rund 140 Jahren weitestgehend gleich geblieben: Es erscheint einmal wöchentlich und enthält im Wesentlichen amtliche Mitteilungen, Verlautbarungen und Inserate. Nur Kleinigkeiten haben sich geändert: Erscheinungstag war ursprünglich der Sonntag, später der Samstag, heute ist es der Freitag. Auch das Format und das Layout erfuhren mehrfach Veränderungen.

Gesamt Regal GB Die gebundenen Jahrgänge des Gemeindeblatts nehmen im Gemeindearchiv etliche Laufmeter Regalfläche ein.
Detail GB Regal ausgeschnitten Alle Lustenauer Gemeindeblätter sind im Historischen Archiv der Marktgemeinde Lustenau einsehbar.