Ernten, was die Sonne bringt 5. März 2026

Mitte Jänner trugen Elias Mathis und Clemens Hämmerle ihre Werkzeuge auf das Dach des Reichshofstadions. Einen Monat später ist die bislang größte Photovoltaikanlage auf einem Lustenauer Gemeindegebäude installiert und in Betrieb. 980 Quadratmeter Solarmodule auf den drei neuen Tribünen versorgen das Stadion nun mit eigenem Sonnenstrom.

Foto1_MG_8731 Sonnige Aussichten: Energie- und Klimaschutzgemeinderat Simon Vetter, Energiekoordinator Marcus Engel, Bürgermeister Patrick Wiedl mit Clemens Hämmerle (li.), Manfred Mathis (2.v.re.) und Elias Mathis (re.) von Solatech freuen sich über die neue Photovoltaikanlage für das dô und die 25. auf einem Gemeindegebäude.
Foto4_O1A1358 Auf dem steilen Dach des dô ist Trittsicherheit und Körpereinsatz gefragt: Clemens Hämmerle schultert jedes Solarmodul eigenhändig an seinen Platz.

Elias Mathis und Clemens Hämmerle sind das Montageteam hinter dem Projekt und Teil des Lustenauer Familienbetriebs Solatech, den Manfred und Sabine Mathis vor einem Vierteljahrhundert gegründet haben. Heute arbeiten auch die Söhne Philipp und Elias sowie Clemens Hämmerle mit. Das auf nachhaltige Energie spezialisierte Unternehmen war Bestbieter der Ausschreibung und lieferte alles aus einer Hand: Projektierung, Montage, Elektroinstallation.

15 Tonnen auf dem Dach

Foto3_Kran_PV-Reichshofstadion_quer Mit schwerem Gerät: Ein Scheffknecht-Kran hebt die Paletten mit den Solarmodulen auf das Dach des Reichshofstadions.

12 Paletten Solarmodule hievte Scheffknecht Kran auf das Stadiondach, insgesamt 432 Module mit rund 8 Tonnen. Bevor Elias und Clemens das erste verlegen konnten, kamen zunächst weitere 7 Tonnen Adjustierungssteine auf die Tribünendächer. Sie halten die Anlage auch bei Sturm sicher an Ort und Stelle. Danach ging es ans Montieren: 140 Module schafften die beiden an einem Tag. Die längste Leitung zieht sich 250 Meter weit, von der Gastribüne zur Nordtribüne und hinunter bis in den Technikraum. „Das war kräftetechnisch schon eine Herausforderung", lacht Elias. Dazu kam der Winter: „Wir hatten alle Wetterbedingungen. Regen und leichter Frost machen nichts, aber bei Schnee können wir nicht arbeiten."

Seit dieser Woche läuft nun die Anlage im Vollbetrieb. An einem sonnigen Wintertag produziert sie rund 650 Kilowattstunden. „Im Sommer, wenn die Sonne steil einfällt, kann man mit dem Vierfachen rechnen", erklärt Manfred Mathis. Übers Jahr summiert sich das auf rund 210.000 Kilowattstunden. Vier Wechselrichter wandeln den Gleichstrom der Module in nutzbaren Wechselstrom um. Damit wird zuerst das Reichshofstadion versorgt. Erzeugt die Anlage mehr, als dort gerade gebraucht wird, fließt der Überschuss in die gemeindeeigene EEG und versorgt andere Gemeindegebäude. Energiekoordinator Marcus Engel behält dabei den Überblick: „Den Betriebszustand, die Energieausbeute, den Ertrag und das Energieflussdiagramm – das alles zeigt uns eine Solar-App an. Auch Alarme kommen direkt aufs Handy. So können wir die Anlage jederzeit überwachen und die Verbräuche analysieren."

Nächstes Dach: dô

Jetzt gehen die Arbeiten auf dem nächsten Lustenauer Gemeindedach weiter: Im „dô“ in der Dornbirner Straße montiert Solatech bereits die 25. Photovoltaikanlage auf einem Gemeindegebäude. Die neue Anlage hat 69 Module und hat eine Gesamtleistung von 28,3 Kilowatt-Peak.

Sonnenernte bleibt in Lustenau

Die Sonnenernte bleibt nicht nur aus technischer Sicht in Lustenauer Hand. Im Mai letzten Jahres lud die Gemeinde die Bevölkerung ein, sich direkt am Sonnenkraftwerk Reichshofstadion zu beteiligen – und das Angebot kam an: 151 Bürgerinnen und Bürger kauften alle 300 verfügbaren „Sonnenscheine". Für eine Einlage von 500 Euro gibt es jährlich 60 Euro zurück – in Form von JUHU-Gutscheinen, einlösbar in Lustenauer Unternehmen. Die erste Auszahlung ist für den 1. Juli vorgesehen. So kommen Geld und produzierter Strom aus Lustenau und bleiben auch hier.

Dach für Dach

Die Anlage auf dem Reichshofstadion ist die bislang größte auf einem Lustenauer Gemeindegebäude aber mit Sicherheit nicht die letzte. Auf 25 Gemeindegebäuden produzieren bereits Photovoltaikanlagen Sonnenstrom. Diese haben eine Gesamtleistung von 930 Kilowatt-Peak. „Jede neue Anlage macht unsere Energieversorgung ein Stück unabhängiger und krisensicherer. Strom, den wir selbst erzeugen, müssen wir nicht importieren – das spüren wir als Gemeinde, aber auch jeder Haushalt und jeder Betrieb", sagt Energie- und Klimaschutzgemeinderat Simon Vetter. Bürgermeister Patrick Wiedl ergänzt: „Ich freue mich, dass wir mit dem Reichshofstadion einen weiteren großen Schritt in Richtung Energieautonomie gemacht haben und dass mit dem dô gleich das nächste Projekt folgt.“