Fruchtbarer Boden am Gemeindegutshof Heidensand 11. Juni 2026
© Lukas Hämmerle / Thomas Holzer
30 Hektar Grünfläche, Ackerland und Obstplantagen in bester Qualität, die von Lustenauer Landwirten überwiegend biologisch bewirtschaftet werden, dazu soziale Beschäftigungsprojekte und mit dem Festival Hofkultur auch kulturell befruchtend: Der Gemeindegutshof Heidensand, idyllisch am Alten Rhein gelegen, ist ein Ort, der dem Allgemeinwohl in vielfältiger Weise zugute kommt.
Einst versorgte der Gemeindegutshof Heidensand die Bewohner des „Versorgungsheims“ und bot der Bevölkerung Arbeit. Vor gut 10 Jahren wurde ihm neues Leben eingehaucht und seither wächst und gedeiht es hier prächtig. Davon konnte sich der Landwirtschaftsausschuss beim Lokalaugenschein und Treffen kürzlich ein Bild machen.
Landwirtschaftsgemeinderätin Eveline Mairer verlegte die Ausschusssitzung für das Treffen mit den Akteuren am Gutshof Heidensand direkt vor Ort: Dabei waren die fünf Lustenauer Landwirte, die die Ackerböden bewirtschaften, die Integra, die gemeinsam mit der Lebenshilfe soziale Beschäftigungsprojekte durchführt und die Kulturabteilung, die für das Festival „Hofkultur“ verantwortlich zeichnet.
Nicht nur Wetterkapriolen, Schädlinge und andere Herausforderungen wie die Bürokratie in der Landwirtschaft waren die Themen, über die sich die Ausschussmitglieder mit den Landwirten Simon Vetter, Andreas Krammel, Johannes Hämmerle, Werner Alge und Stefan Fitz austauschten, bevor es an die Besichtigung der Anbauflächen ging.
Der jüngste Bauer am Heidensand ist Johannes Hämmerle. Er baut am Heidensand Biohokkaidokürbis an. Der Ertrag sei mit mehr Aufwand verbunden, als man gemeinhin vom Kürbisanbau annehme, berichtete er. Bevor einer seiner Kürbisse im SPAR-Regal liege, sei er mindestens fünfmal durch seine Hände gegangen. Dass am Heidensand gut kooperiert wird, zeigt sich z.B. bei der Fruchtfolge, mit der Johannes Hämmerle gemeinsam mit dem Vetterhof Böden abwechselnd bepflanzt oder aber auch bei der gemeinsamen Nutzung von Maschinen. Andreas Krammel baut am Heidensand auf Streuobstwiesen vor allem Äpfel und Birnen an, darunter sehr seltene und alte Sorten. Weitum bekannt ist Andreas mit seinen Produkten, darunter Essige, Most und verschiedene Säfte, die auch in den Vorarlberger Sutterlüty-Märkten verkauft werden. Werner Alge ist der zweite Obstproduzent am Heidensand, er baut vor allem Äpfel an, darunter alte Sorten, aber auch ganz spezielle Sorten wie z.B. den „Santana“, einen Apfel, der aufgrund seines hohen Polyphenolgehalts von Apfelallergikern problemlos vertragen wird.
Den größten Teil der Heidensand-Flächen hat der Vetterhof gepachtet. Seit fünf Jahren ist der Vorreiter für Biolandwirtschaft komplett „viehlos“, man fokussiert sich ausschließlich auf den Anbau von Gemüse und Getreide, berichtete Simon Vetter. Der Heidensand ist eine wesentliche Grundlage für den Betrieb, den er gemeinsam mit seinem Bruder Raphael führt. Hier wird unter anderem das Gemüse für die Gemüsekiste angebaut, die an über 1200 Abnehmer in Lustenau und Nachbargemeinden bis nach Rankweil und Feldkirch geliefert wird.
Maren Grimke von der Integra stellte das soziale Beschäftigungsprojekt vor, in dessen Rahmen hier zusammen mit der Lebenshilfe mit Jugendlichen gearbeitet wird und Kulturamtsleiterin Nina Fritsch gab einen Einblick in die beliebte „Hofkultur“, die heuer ihr 10-jähriges Jubiläum feiert. Ein anderes Festival, nämlich das Szene-Openair, spannte den Bogen zu Landwirt Stefan Fitz vom Wiißtännilihof. Stefan ertüchtigt die von der Gemeinde gepachtete Fläche am Alten Rhein, die einmal jährlich Schauplatz für das Szene Openair ist. Landwirtschaftsgemeinderätin Eveline Mairer dankte allen Akteuren für deren Arbeit und den Austausch: „Der Gutshof Heidensand ist ein wunderbares Beispiel, wie befruchtend ein gemeinsames Schaffen ist.“
© Lukas Hämmerle
Zur Geschichte des Gemeindegutshofs Heidensand
Der Gutshof wurde in den 1920er-Jahren errichtet, als auch das „Versorgungsheim“ im Schützengarten gebaut wurde. Die Gemeinde ließ dafür große Flächen Auwald am Alten Rhein roden und urbar machen. Der neue Gutshof Heidensand versorgte die Heimbewohner mit Lebensmitteln, bot den Lustenauern Arbeit und sollte in der Art der Bewirtschaftung Vorbild für andere Höfe sein. Ab Mitte der 1960er-Jahre wurde die Landwirtschaft im Zeichen immer billiger werdender Lebensmittel und zunehmender Mechanisierung verpachtet. Die Gebäude und Grundflächen wurden in den folgenden Jahren genützt als Standort für einen Schweine-Mastbetrieb, als Lager- und Umschlagplatz für Christbäume, als Heulager und Reitanlage sowie als Anbaufläche für Futter-Mais. Im Jahre 2015 beschloss die Gemeindevertretung, den Gutshof wieder für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.