Neuer „Hüter“ eines Lustenauer Kulturgutes 10. September 2026

Das Gasthaus Lamm in Lustenau steht seit 1902 für Verlässlichkeit, Wärme und gelebte Dorfkultur. Manuel Riedmann ist seit heuer Wirt in dem traditionsreichen Haus, das er als Pächter übernommen hat. Ein Schritt, der für ihn weit mehr bedeutet als eine berufliche Entscheidung.

01_GH-Lamm_2026-09_046 Manuel Riedmann ist längst in seiner neuen Rolle als Wirt angekommen, wenn es darum geht, traditionelle Geselligkeit zu bewahren.

Ein Wirtshaus mit Geschichte und viel Gefühl

Für Manuel Riedmann ist das Lamm nicht irgendein Gasthaus. Er kennt es seit seiner Kindheit, war hier als Bub zu Gast, feierte mit der Familie aber vor allem verbindet ihn vieles mit seiner Tante Sabine Anderle, die das Lamm über viele Jahre mit ihrer besonderen Art als Wirtin geprägt hat und Anfang dieses Jahres leider viel zu früh verstorben ist. „Sie war Lehrmeisterin, schillernde Figur, familiärer Anker und hat immer frei Schnauze gesagt, was sie gedacht hat“, erzählt Manuel. Dass er das Lamm eines Tages übernehmen würde, war bereits länger geplant und Manuel begann im September vergangenen Jahres als Koch. Im Februar übernahm er schließlich auch als Wirt. „Es ist eine wahnsinnige Ehre für mich, dieses Gasthaus weiterführen zu dürfen.“ Das berühmte Backhendl – Aushängeschild des „Lamms“ – bleibt unangetastet. „Das wird bei uns mit sehr viel Liebe zubereitet“, schwärmt Manuel.

Von Dornbirn hinaus in die Welt

02_GH-Lamm_2026-09_024 Das Backhendl ist neben dem Wiener Schnitzel ein absolutes Muss im Lamm.

Die Gastronomie ist dem gebürtigen Dornbirner nicht fremd. Seine Kochlehre absolvierte er im Martinspark, danach zog es ihn hinaus in die Welt: in die Schweiz, nach Wien und für ein Jahr nach Irland. In renommierten Häusern sammelte er Erfahrungen – immer als Koch. Der Wunsch nach der Selbstständigkeit kam erst später. „Ich wollte mich selbst als Gastronom verwirklichen, wollte Dinge ändern, aber das Alte nicht vergessen.“ Zweieinhalb Jahre führte er bereits die Krone in Thal und wollte danach eigentlich wieder als Koch in einem Betrieb arbeiten. Doch das Lamm ließ ihn nicht los. Heute ist Gastronomie für ihn mehr als ein Beruf. „Ich gehe selbst gerne essen, Gastronomie ist mein Hobby, sie ist mein Leben.“

Das „Lamm“ wird „Lamm“ bleiben

Bei aller Begeisterung für Neues steht für Manuel eines fest: Der typische Charakter des Hauses darf nicht verloren gehen. Gaststube, familiäres Ambiente und lockere Atmosphäre sollen bleiben. Auch die Küche wird nicht komplett neu erfunden. Bewährte Gerichte wie das Backhendl bleiben, denn Manuel hat von Sabine gelernt, wie viel Handwerk dahintersteckt. „Meine Tante war keine gelernte Köchin. Alles, was sie im Lamm machte, tat sie mit größter Hingabe – sie machte das einfach super, da gibt es gar nichts.“

Frischer Spirit für die nächste Generation

03_GH-Lamm_2026-09_029 An heißen Tagen spendet der schattige Gastgarten angenehme Abkühlung.

Zum Lamm gehört auch das Team dahinter. Sabine und Janine sind seit vielen Jahren dabei, Nathalie ist neu ins Kernteam dazugekommen. „Alle können ihre Stärken einbringen. Das Lamm soll hinter den Kulissen ein Ort bleiben, an dem Menschen gerne miteinander arbeiten.“ Bewahren heißt aber nicht Stillstand. Veranstaltungen sollen jüngeren Spirit ins Lamm bringen und vegetarische Gerichte künftig stärker berücksichtigt werden. In der Küche sind leichte Anpassungen geplant, die Arbeitsabläufe erleichtern. Im Gastgarten möchte Manuel das Potenzial besser nutzen: Ein zusätzlicher Ausschank, weitere Sitzmöglichkeiten sowie Aperitifs und kleinere Veranstaltungen werden ihn noch stärker zum Treffpunkt machen.

Das Lamm mitten im Lustenauer Leben

Auch der Saal soll künftig eine größere Rolle spielen – für Geburtstage, Hochzeiten, Weihnachtsfeiern oder Trauerfeiern. Gerade bei Beerdigungen möchte Manuel eine alte Wirtshaustradition bewahren und möglichst kurzfristig eine Möglichkeit zum Zusammenkommen anbieten. Gleichzeitig will er das Traditionsgasthaus noch stärker mit Lustenau verbinden. Kooperationen mit der Gemeinde und Aktionen wie die JUHU-Karte oder Genussrallye gehören zu seinen Ideen. „Mir ist die Rolle des Lamms für die Lustenauer Gemeinschaft sehr wichtig.“

04_GH-Lamm_2026-09_043 Ein starkes „Lamm-Team“, das von Mittwoch bis Sonntag die Türen öffnet, um Gäste aller Altersgruppen zu verwöhnen.

125-Jahr-Jubiläum

Im nächsten Jahr feiert das Lamm gemeinsam mit der Gemeinde, Stammgästen und Freunden des Hauses sein 125-jähriges Bestehen. Die Fußstapfen von „Lamms Fanny“ und Sabine Anderle sind groß, aber genau darin sieht Manuel Riedmann seine Verantwortung und Chance: die Seele des Hauses zu bewahren und dennoch die eigene Handschrift einzubringen. „Es erfüllt mich mit unglaublich viel Stolz, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen.“ Damit ist er nicht nur der neue Wirt – sondern auch der neue Hüter eines Lustenauer Kulturguts und Gestalter seiner Zukunft. 

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