„Gesprächsstoff“ – Neue Veranstaltungsreihe im S-MAK 26. Juni 2026
Die Geschichte der Vorarlberger Stickereiindustrie ist vielfach erzählt worden — in Ausstellungen, Publikationen, Schulbüchern und Medienberichten. Was bleibt, wenn man genauer hinschaut? Welche Geschichten wurden erzählt — und welche nicht? Haben sich Vereinfachungen eingeschlichen, fehlen Perspektiven? Das Stickereimuseum S-MAK lädt zu einer Gesprächsreihe ein, in der bestehende Erzählungen kritisch reflektiert und Geschichten erneut erzählt werden.
© Markus Tretter
Quellen, Dokumente und Erinnerung
© „Vorarlberg stickt für die Welt“, Elisabeth Längle
In mehreren Themenabenden werden Quellen, Dokumente und gelebte Erinnerung abgeglichen. Was ist dokumentiert, was existiert bislang nur im kollektiven Gedächtnis, was verdient oder fordert eine weitere Bearbeitung? Was sind die bevorzugten Erzählungen, worüber wird nur ungern gesprochen? Denn Glanz und Kehrseite gehören auch in der Geschichte der Stickerei immer zusammen: Weltmarktführerschaft und Heimarbeit, Exporterfolg und Selbstausbeutung, Spitzenprodukt und unsichtbare Arbeit. Ein zentraler Teil der Gesprächsabende gehört den Zeitzeug:innen im Saal. Wer die Branche selbst erlebt hat — als Arbeiter:in, als Unternehmer:in, als Kind einer Stickerfamilie —, bringt ein Erfahrungswissen mit, das kein Archiv vollständig erfassen kann. Die Veranstaltungen sind eine Einladung, eigenes Wissen und eigene Erinnerungen einzubringen und gemeinsam zu erarbeiten, welche Geschichten über die Stickerei erzählt werden, welche fehlen und welche es verdienen, nicht vergessen zu werden.
Auftaktveranstaltung am Montag, 6. Juli, 19 Uhr
Bei der Auftaktveranstaltung „Stickerei als Abbild ihrer Zeit – Darstellung in Archiven, Ausstellungen und Medien“ werden sich Oliver Heinzle vom Historischen Archiv, Filmwissenschafterin Yvonne Rüscher und Theresia Anwander vom vorarlberg museum mit den Mechanismen der kollektiven Erinnerung auseinandersetzen. Welche Quellen liegen vor und welche Schlüsse lassen sie tatsächlich zu? Was ist belegt, was wurde überliefert, was fehlt? Yvonne Rüscher fragt nach den Mitteln und Perspektiven im Medium Film, was verschiedene Formate erlauben, wie und wo sie beeinflussen oder ausblenden. Theresia Anwander fragt aus der Ausstellungspraxis heraus, wie Museen mit diesem Erbe umgehen. Was wird gezeigt, was bleibt im Depot? Gemeinsam soll an diesem Abend ein erstes Bild davon entstehen, wie sehr das, was wir über die Stickerei zu wissen glauben, auch von den Formaten abhängt, in denen dieses Wissen überliefert wurde.
Aufruf: Private Bildaufnahmen gesucht
© „Vorarlberg stickt für die Welt“, Elisabeth Längle
Die Veranstaltungsreihe wird im Herbst mit weiteren Themen fortgesetzt. Außerdem startet das S-MAK einen Aufruf nach privatem Bildmaterial zur Stickereiproduktion: Wer zu Hause Fotos, Dias oder Alben aufbewahrt aus Fabrik, Atelier oder Heimarbeit, von Maschinen, Menschen oder dem Alltag rund ums Sticken, ist herzlich eingeladen, sich beim S-MAK zu melden. Solche privaten Bestände zeigen oft, was in keinem offiziellen Archiv zu finden ist. Sie ergänzen das überlieferte Bild, korrigieren es mitunter und sie gehören zur Geschichte.
„Gesprächsstoff“ Eine Veranstaltungsreihe im S-MAK
Montag, 6. Juli, 19 Uhr
Anmeldung empfohlen: info@s-mak.at
S‑MAK, Kneippstraße 6a
+43 5577 84028, info@s‑mak.at
www.s‑mak.at