Hannes Grabher zum 125. Geburtstag 29. Juli 2019

Hannes Grabher 2 (2)_©Foto Heuberger_Ausschnitt_HP

Am heurigen 4. August hätte der Lustenauer Heimatdichter Hannes Grabher seinen 125. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass blickt dieser Artikel auf sein Leben zurück und würdigt sein außergewöhnliches literarisches Schaffen.

Er war das zweitjüngste von sieben Geschwistern und tat sich in jungen Jahren als Mitglied des FC Lustenau als hervorragender Leichtathlet hervor. Im Gegensatz zu seinem zwölf Jahre älteren Bruder Rudolf, der ein Jus-Studium absolvierte, erlaubten die finanziellen Verhältnisse der Familie Hannes Grabher vorerst keinen Besuch einer höheren Bildungseinrichtung. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war Hannes Grabher dann gerade mal 20 Jahre alt. Der damals schon voll im Arbeitsleben stehende junge Mann leistete seinen Kriegsdienst beim 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger. Erst danach absolvierte er die Handelsschule in Lustenau und fand in der Folge in der benachbarten Schweiz eine Arbeitsstelle, während sein Bruder Rudolf gemeinsam mit etlichen anderen Lustenauer Familien 1921 nach Brasilien auswanderte.

In einem Zeitzeugeninterview schildert seine Tochter Hadwig Bösch die damals schwierige wirtschaftliche Situation und wie Hannes Grabher zu seiner Anstellung bei einer reichen Schweizer Industriellenfamilie in Balgach kam: „Danach ist die Mutter bis zu diesem Schmidheiny [nach Balgach] hinauf gelaufen, von Lustenau, und hat den Schmidheiny […] gefragt, ob er nicht für ihren Buben einen Posten hätte. Und das hat den Schmidheiny so beeindruckt, dass die Mutter zu Fuß da hinauf läuft, und dann hat man ihn angestellt.“

Wie Hadwig Bösch erzählt, rettete Ernst Schmidheiny recht bald darauf die Eltern von Hannes Grabher, die sich für den Kauf einer Stickmaschine in Schweizer Franken verschuldet hatten, mit einem großzügigen Überbrückungskredit vor dem durch die Inflation ausgelösten, totalen finanziellen Ruin: „Darum ist so eine Verbundenheit [zur Familie Schmidheiny] gewesen, der Vater ist ja wahnsinnig dankbar gewesen.“ Hannes Grabher blieb bis ans Ende seiner Berufslaufbahn seinem Arbeitgeber treu und stieg zum Prokuristen auf.

1924 heiratete er Maria Schlachter, die Tochter des Lustenauer Gemeindearztes. Diese war von Beruf Lehrerin und, wie Sieglinde Fitz-Grabher, eine weitere Tochter des Heimatdichters, in einem Zeitzeugeninterview berichtet, „ sehr religiös“ und „hat gar nichts wissen wollen von diesem Hitler“, weil sie gehört hatte, dass dieser „gegen die Kirche ist“. Aufgrund der politischen Überzeugungen kam es auch zu innerfamiliären Meinungsverschiedenheiten: „Der Papa hat gesagt, ,das ist alles übertrieben‘ […] und ,es wäre halt gut fürs Volk und die Wirtschaft, wenn wir einen Anschluss hätten [an] ein großes Deutsches Reich‘.“

Seine anfänglichen Sympathien für den Nationalsozialismus hätten sich dann aber, wie Sieglinde Fitz-Grabher zu berichten weiß, mit dem Ausbruch des Krieges schon sehr bald gelegt. Nichtsdestotrotz wurde Hannes Grabher von der NSDAP vereinnahmt, sollte sich um ein „Dorfbuch“ bzw. eine Dorfchronik kümmern und wird in einem Schreiben vom 4. Februar 1942 bezüglich der „Erhaltung des Bodenständigen Formengutes an Häusern und Hausrat“ als Parteigenosse ausgewiesen. Vielleicht war es ihm auch deshalb während des gesamten Zweiten Weltkrieges als einzigem Lustenauer erlaubt, als Grenzgänger täglich die in die Schweiz ein- und auszureisen. Nicht nur während der NS-Zeit, sondern auch in der darauf folgenden Besatzungszeit nutzte Hannes Grabher diese Sonderstellung, um vielen Menschen in Lustenau zu helfen. So besorgte er dringend benötigte Medikamente in der Schweiz, organisierte den Briefverkehr mit kriegsgefangenen Lustenauern und setzte sich bei der Suche nach vermissten Soldaten ein.

Berühmt wurde Hannes Grabher für seine Mundartgedichte, die er in mehreren Bänden veröffentlichte. Daneben verfasste er aber auch Gedichte auf Hochdeutsch und das Theaterstück „’s Kremmelerb“. Als älteste Tochter begleitete Sieglinde Fitz-Grabher, die später selbst Mundartgedichte verfasste, ihren Vater öfters an Sonntagen hinaus an den Rhein und erinnert sich, dass er immer Block und Bleistift dabeihatte, um sich Ideen zu notieren: „Daheim haben wir [die Familie] dann miteinander seine Gedichte besprochen. Dann ist er ganz enttäuscht gegangen. […] Wir sind sehr kritisch gewesen. […] Wir haben da viel herumgefeilt daran.“ Im Herbst 1964 wurde Hannes Grabher für seine Verdienste der Ehrenring der Marktgemeinde Lustenau verliehen. Am 17. Jänner 1965 verstarb der Vater von fünf Kindern.

Im Korn

Hannes Grabher 7 (2) Hannes Grabhers Gedichte und Texte beschreiben liebevoll und mit einem ironischen Zwinkern die Lustenauer Seele.

I wuôß nid, eb as uf’r Weält
no nammas Schüönrs git
as wi im Sommr duß im Ried
a Kornfäold vor om Schnitt.

As lit so still, so fiirli dô,
wänn drob a Lercho sengt;
und z’ôbod lit a Säogo druf,
wou uon zur Adôcht zwengt.

Und hond dr d’Lüt duor Lug und Trug
do guoto Gloubo gnau,
im Kornfäold siescht do Herrgott seälb
in volla-n-Ähra stau.
 

(Aus: Hannes Grabher, Mundartgedichte, Neuauflage 2008, S. 131.)