Ir Hoschtat ondro Böm 29. Juli 2014
Welche Bedeutung hat der Baum im städtischen und dicht besiedelten Raum? Welchen Stellenwert geben wir öffentlichen Freiflächen und dem Lebewesen und Lebensraum Baum, wie schaffen wir mehr Bewusstsein für den Bodenschutz? Spaziergänge durch Lustenau, Dialoge, gemeinsamer Austausch und ein Boden-Essen im Feldhotel machten deutlich, wie unverzichtbar Wiesen, freie Flächen und Bäume im urbanen Raum sind.
Vom Baumspaziergang bis zum Planungsbaum
Unter dem Titel „Urbanes Lebewesen Baum“ startete die Veranstaltungsreihe, die die Umweltabteilung des Landes Vorarlbergs im Rahmen ihres Programms „Naturvielfalt in der Gemeinde“ gemeinsam mit der Raumplanungsabteilung, dem Vorarlberger Architektur Institut und dem Österreichischen Ökologie-Institut startete. Partner für die erste Station war die Marktgemeinde Lustenau, die im Zuge ihres Masterplanes die Naturvielfalt ebenfalls thematisiert.
Der Austausch über Bäume und spezifische Landschaftscharakteristika in Lustenaus Zentrum fand am 23. Juli im Feldhotel statt. Rudolf Alge, Leiter der Umweltabteilung in Lustenau, und Landschaftsarchitektin Rita Illien sowie Projektleiterin der Zentrumentwicklung Marktgemeinde Lustenau, Marina Hämmerle, begleiteten die TeilnehmerInnen auf einem Baumspaziergang durch das Zentrum - von der Obstbaumwiese beim Virglar durch Alleen zu prächtigen Einzelbäumen und altem Baumbestand. Rund 30 Personen machten sich vor Ort ein Bild über Wirkungsweise und Einsatz von Bäumen.
Unverzichtbar im öffentlichen Raum
Fazit der Tour: die Sicherung von Obstbaumwiesen, insbesondere der zentralen Wiese beim Virglar liegt in unser aller Interesse und schafft wichtige Quartiersqualitäten. „Einzelbäume, wie die Rotbuche in der Kirchstraße oder der Baumbestand hinter dem Kiesplatz werten Straßenzüge und Wohnsiedlungen wesentlich auf. Baumreihen wie in der Rathausstraße beim Bauamt oder entlang der Kaiser Franz Josef Straße vor den Bürgerhäusern spenden Schatten, binden Schadstoffe und sind vor allem atmosphärisch wirksam. Bäume sind unverzichtbare gestalterische Elemente und werten den öffentlichen Raum maßgeblich auf“, so der einhellige Tenor.
Signal setzen für Bodenfreiheit
Am Sonntag, den 27. Juli lud der Verein Bodenfreiheit ins Feldhotel nach Lustenau. Das Feldhotel und die umgebenden Flächen stehen mustergültig für die Ziele, die auch der Verein Bodenfreiheit vertritt: wichtige zentrumsnahe Flächen dauerhaft als öffentliche Freiräume zu sichern. Es sind genau solche Flächen, die der Verein Bodenfreiheit über eine gemeinschaftliche Finanzierung von Bürgerinnen und Bürgern freikaufen will.
Inzwischen 300 Mitglieder zahlen pro Monat 10 EUR in einen Fonds ein, aus dem jedes Jahr eine strategisch wichtige Freifläche mit Baulandwidmung gekauft und dauerhaft frei und zugänglich gehalten. Wichtigstes Ziel dabei ist es, ein politisches Signal zu setzen. Bürger und Bürgerinnen werden selbst aktiv für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Grund und Boden in Vorarlberg. „Auf dass mehr Menschen - und v.a. auch Gemeinden und Land diesem Vorbild folgen und wir uns daran machen die raumplanerischen Fehler der Vergangenheit schnellstmöglich zu verbessern.“
Boden-Essen mit fröhlichem Ausklang
Am Sonntag trafen sich rund 70 Mitglieder und Interessierte im Feldhotel. Mitgebrachte Speisen wurden genossen, ein kurzer Vortrag zu Bodenfreiheit, den Zielen der Zentrumsentwicklung und zum Feldhotel führte in das Thema ein und ein eindrücklicher Spaziergang - geführt von Rudi Alge - zeigte deutlich auf, wie die Realität in der Siedlungspolitik im Raum erlebbar wird. Abgeschlossen wurde ein erfolgreicher Sonntagnachmittag mit dem Liederkranz Frohsinn, der ein weiteres Beispiel von gemeinsamem Erleben ist: kein Konzert von Profis sondern ein gemeinsames Singen und Genießen.
Baumspaziergang und Boden-Essen im Feldhotel