Kinder.Essen.Körig – wenn gutes Essen Schule macht! 5. Februar 2026
Mittagszeit in Lustenaus Schulen. Es klappert Geschirr, Kinderstimmen füllen den Raum, es riecht nach köstlichem und frisch gekochtem Essen mit 60% Bio-Anteil. Täglich sitzen zahlreiche Schülerinnen und Schüler gemeinsam am Tisch und erleben, dass Mittagessen weit mehr sein kann als bloß satt zu werden. Möglich macht das unter anderem ein wichtiges Förderprojekt des Landes Vorarlberg mit einem klaren Anspruch und einem starken Namen: „Kinder.Essen.Körig.“
Lustenau ist seit Beginn beim Projekt mit dabei und bemüht sich heuer bereits zum dritten Mal um eine Förderung. Umgesetzt wird das Programm in enger Zusammenarbeit der esskultur mit dem Land Vorarlberg.
© Lukas Hämmerle
Ein Förderprojekt des Landes Vorarlberg
Kinder.Essen.Körig wurde vom Land Vorarlberg ins Leben gerufen, um die Mittagsverpflegung an Volks- und Mittelschulen nachhaltig zu verbessern. Das Ziel ist klar definiert: Hochwertige, gesunde und ausgewogene Mahlzeiten, die regional, biologisch und gleichzeitig leistbar sind. „Die Idee dahinter ist ganz einfach“, erklärt Kerstin Hagen-Grabher. „Alle Kinder sollen Zugang zu gutem Essen haben, unabhängig von der Geldbörse der Eltern. Dank der Förderung, die über die Gemeinde abgewickelt wird, können wir so ein vollständiges Menü – Vorspeise, Hauptspeise und oft auch Nachspeise – um Euro 6,30 für Schulkinder anbieten. Das ist heute alles andere als selbstverständlich“, betont Kerstin.
Esskultur mit System – und Checkliste
© Lukas Hämmerle
Damit Betriebe Fördergelder erhalten, müssen sie strenge Kriterien erfüllen. Küchenleiter Florian Merten kennt diese bis ins Detail. „Wir arbeiten mit einer Speiseplan-Checkliste“, erklärt er. „Jeden Tag ein regionales Produkt aus Vorarlberg, täglich mindestens ein Bio-Produkt, regelmäßig Vollkorn, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, viel Gemüse und Salat. Fleisch gibt es bewusst selten. Unsere Philosophie ist stark pflanzlich“, so Florian. „Wir kochen einmal pro Woche Fleisch, dreimal vegetarisch, alle zwei Wochen Fisch und Süßspeisen ebenfalls nur alle zwei Wochen. Wenn Fleisch auf den Teller kommt, dann in hoher Qualität. Kein Wurstkompromiss“, berichtet der Koch lachend.
Förderung nach Leistung – ein Belohnungssystem
Das Projekt Kinder.Essen.Körig funktioniert wie ein Stufenmodell: Je mehr Kriterien erfüllt werden, desto höher fällt die Förderung pro ausgegebenem Essen aus. „Es ist jedoch kein Selbstläufer“, betont Qualitätsmanagerin Kerstin. Menüpläne, Einkaufsnachweise und Lieferanten werden genau geprüft und müssen dokumentiert werden. Wenn ein Punkt fehlt, rutscht man automatisch eine Stufe tiefer. Die Auszahlung erfolgt rückwirkend über die Gemeinde, die Fördergelder sind zweckgebunden und kommen direkt den Kindern zugute.
Warum gutes Essen den Schulalltag verändert
© Lukas Hämmerle
Küchenleiter Florian erklärt den Effekt ausgewogener Ernährung mit einem einfachen Vergleich: „Iss mittags Burger mit Pommes und trink Limonade – und versuch danach, konzentriert zu arbeiten. Das funktioniert nicht, man ist weniger konzentriert und ausgeglichen, und bei Kindern ist das genauso. Wenn ich den Kindern also erkläre, dass ausgewogenes Essen nicht müde macht, sondern Energie gibt, hören sie zu. Dass das funktioniert, beweist der Alltag. „Am Anfang waren Linsen für viele Kinder gewöhnungsbedürftig“, schmunzelt Florian. „Jetzt freuen sie sich darauf.“ Außerdem hilft der Küchenleiter regelmäßig selbst bei der Ausgabe oder setzt sich zu den Kindern an den Tisch. „Ich frage, wie es schmeckt, ermuntere zum Probieren. Oft reicht dann nur ein Kind, das probiert und die anderen ziehen nach.“
Lernen mit allen Sinnen
Essen kann auch ein Bildungsprojekt sein. „Wir zeigen den Kindern Gemüse, lassen sie fühlen, riechen, probieren“, erzählt Florian. Besonders beliebt sind ungewöhnliche Sorten wie der Melonenrettich – außen weiß, innen pink. Wichtig sind hierbei auch Schulungen für das Ausgabepersonal. „Nur wenn alle verstehen, warum der Speiseplan so zusammengestellt ist, können die Beteiligten das den Kindern und Eltern erklären“, erläutert Kerstin.
Lustenaus esskultur setzt ein klares Zeichen
Mit der erneuten Teilnahme an Kinder.Essen.Körig bekennt sich Lustenau klar zu Qualität, Regionalität und nachhaltiger Esskultur. Das Projekt stärkt die Gesundheit der Kinder, entlastet Familien, fördert regionale Produzentinnen und Produzenten – und zeigt vor allem, dass gutes Essen tatsächlich Schule machen kann. Oder wie Küchenleiter Florian es auf den Punkt bringt: „Wenn ein Kind nach einem halben Jahr sagt: ‚Eigentlich sind Linsen echt gut’ – dann wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“