Kriegsende und Ausrufung der Republik vor 100 Jahren – Teil IV 28. November 2018

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Diesen November jährt sich zum 100. Mal die Gründung der österreichischen Republik. Die in dieser Artikelserie präsentierten Auszüge aus lokalen Quellen sollen an das seinerzeit Geschehene erinnern. Die jeweilige Schreibweise wurde dabei behutsam der heutigen Orthographie angepasst.

Albin Schmid (* 28.01.1878, + 04.09.1959) war Ende des Ersten Weltkrieges 40 Jahre alt. Wie damals so viele andere Lustenauer auch, war er Landwirt und Sticker. Er führte ein handgeschriebenes Buch, das fast ausschließlich den Ersten Weltkrieg thematisiert. Zeitnah, wohl noch während des Krieges, erörterte er darin verschiedenste kriegsrelevante Themen. Bei vielen der Einträge hat Albin Schmid einfach den Krieg betreffende Kundmachungen aus dem Lustenauer Gemeindeblatt abgeschrieben. Er gibt jedoch auch in vermutlich selbst verfassten Vermerken spannende Einblicke in das damalige Lustenauer Alltagsleben

Seine Kommentare veranschaulichen damit sehr gut seine Wahrnehmung des Kriegsendes und der damit einhergehenden Ereignisse rund um die Ausrufung der Ersten Republik am 12. November 1918. Diese spiegelt sich im der Kriegschronik von Albin Schmid erst in einem auf den 8. Dezember 1918 datierten Eintrag. Dies ist auch das Datum an dem das am 12. November 1918 beschlossene „Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutsch-Österreich“ im Lustenauer Gemeindeblatt veröffentlicht wurde. Albin Schmid hat dabei Artikel 1 wortwörtlich in sein Aufzeichnungsbuch abgeschrieben: „Deutschösterreich ist eine demokratische Republik, alle öffentlichen Gewalten werden vom Volk eingesetzt.“

Bereits zwei Tage zuvor, am 10. November 1918 wendet sich im Lustenauer Gemeindeblatt der überparteiliche Gemeinde-Wirtschaftsrat an „die Heimkehrer und die Daheimgebliebenen“ und kommentiert die jüngsten politischen Entwicklungen, ruft aber auch angesichts der verheerenden Versorgungslage zur allgemeiner Solidarität auf:

„Schneller, als wir es geahnt, ist der Zusammenbruch gekommen. […] Die Fronten, durch mehr als 4 Jahre gegen übermächtige Feinde, dank der Heldenhaftigkeit und bewährten Treue unserer Regimenter siegreich behauptet befinden sich in Auflösung und die Ordnung scheint gefährdet. Wir fragen uns bangen Herzens was wird noch kommen? Die düstersten Ahnungen und Gerüchte werden verbreitet und finden leicht Gehör und Glauben. Wahr ist, dass die Zukunft ungewisser denn je vor uns liegt. Die Ernährung der breiten Masse des Volkes scheint gefährdet, wenn nicht alle das Gebot der Stunde erkennen wollen.“

Auch die Entwicklung auf Landesebene wird in dieser Mitteilung geschildert: „In Vorarlberg ist an Stelle des Landtages und Landesausschusses eine Landesversammlung und ein Landrat getreten.“ Diese hatten sich in der Folge auch mit der von Ferdinand Riedmann initiierten Anschlussbewegung an die Schweiz auseinanderzusetzen.

Ferdinand Riedmann Der Lustenauer Lehrer und Kinobetreiber Ferdinand Riedmann (* 20.05.1886, + 17.03.1968) propagierte den Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz.

Ein vermutlich Ende November 1918 dem Lustenauer Gemeindeblatt beigelegtes und von der Buchdruckerei Lustenau gedrucktes Flugblatt ruft alle Vorarlberger auf, sich für eine Anschluss an die Schweiz zu engagieren, Ortsgruppen zu bilden, Vorträge zu halten und Flugblätter zu verteilen und schließt mit den Worten: „Also Vorarlberger, auf zur guten Tat! Werdet Schweizer! Der Werbeausschuss: Lehrer Ferd. Riedmann, Obmann. Georg Bösch, Obmann-Stellvertreter. Rudolf Hofer, Fabrikant. Ernst Hämmerle, Fabrikant. Lorenz Walter, Sattler. Aug. Hämmerle, Bauer. Ludwig Hämmerle, Stickereibesitzer. Otto Riedmann, Wirt und Baumeister. Gebh. Kremmel, Schulleiter.“ Die Bestrebungen des Werbeausschusses fanden in Vorarlberg großen Anklang, blieben jedoch letztlich erfolglos.