News Kriegsleid – Briefe einer trauernden Mutter 14. November 2019

Portrait Hubert Feneberg ausgeschnitten

Persönliche Korrespondenzen aus den Kriegsjahren dienen der Geschichtsforschung heute oft als wichtige Quellen. So vermögen etwa drei sich im Besitz einer heute 95 Jahre alten Lustenauerin befindliche Briefe das Leid der Angehörigen der gefallenen Soldaten ein wenig zu veranschaulichen.

Im Sommer 1944 starb der Soldat Hubert Feneberg in Italien. Der damals 20 Jahre alte Bursche aus Kempten im Allgäu war eng mit der bereits erwähnten Lustenauerin befreundet. Die beiden hatten sich in Bregenz, wo er die Schule in der Mehrerau besuchte, näher kennengelernt. Sein Tod hat diese Frau bis heute nicht losgelassen, die damaligen Ereignisse und ihre Trauer beschäftigen sie noch immer.

Brief Dezember Von Frieda Feneberg am 27. Dezember 1944 verfasster Trauerbrief.

Da sie sich allerdings nicht mehr ganz genau an alle Einzelheiten erinnert, und die drei Briefe, die ihr die trauende Mutter von Hubert Feneberg nach Lustenau sandte, auch nicht mehr entziffern konnte, bat sie das Historische Archiv der Marktgemeinde Lustenau um Hilfe. Im Zuge der Hilfeleistung wurden Scans der Schriftstücke in die digitalen Bestände des Archivs aufgenommen und transkribiert.

Die folgenden Auszüge dokumentieren die Verzweiflung der Mutter und sollen hier stellvertretend für das Elend, welches damals viele Frauen, Gattinnen und Mütter erfahren mussten, wiedergegeben werden.

So schreibt die trauernde Mutter etwa im Oktober 1944 nach Lustenau: „In dem Brief mit der Todesnachricht befand sich auch ein Foto von seinem Grab. Wenn ich es anblick, dann kann ich es nicht glauben, dass unser frohgemuter und herzensfroher Bub tot darin liegen soll. Wie hing er doch an daheim und an seiner Heimat!“

Und weiter klagt sie am 27. Dezember 1944:
„Heute ist ein besonders trauriger Tag. Heute vor einem Jahr abends um ½ 8 Uhr ist Hubert [… nach seinem Heimaturlaub] wieder [an die Front] gefahren und wir haben den Abschied für immer genommen. Jetzt ist es 6 Uhr abends. Also noch ein gutes Stünderl haben wir unseren guten Bub bloß mehr gehabt. Das Weihnachtsfest war ein recht trauriges für uns. Was wird noch Hubert ausgehalten haben müssen? Das frage ich mich Tag und Nacht. Ich kann gar nichts anderes mehr denken. Ich kanns gar nicht glauben, dass er im Grab liegen soll.“