Kulturpreis Vorarlberg 2018 geht an Claudia Larcher 26. November 2018

Die aus Lustenau stammende Künstlerin Claudia Larcher wurde vergangene Woche mit dem Vorarlberger Kulturpreis 2018 ausgezeichnet. Der Preis wurde zum vierten Mal ausgeschrieben und ist heuer der Sparte Film gewidmet und mit 10.000 Euro dotiert.

Kulturpreis Vorarlberg 2018 © Udo Mittelberger-02 Claudia Larcher wurde mit dem Kulturpreis Vorarlberg 2018 ausgezeichnet: v.l.n.r.: Sparkasse-Vorstandsdirektor Martin Jäger, Landesrat Christian Bernhard, Claudia Larcher, Felix Kalaivanan, Casino-Vorstandsdirektorin Bettina Glatz-Kremsner, Casino-Bregenz-Direktor Bernhard Moosbrugger und ORF-Landesintendant Markus Klement.

Durch ein Auswahlverfahren der erweiterten Kunstkommission des Landes wurden verschiedene Künstlerinnen und Künstler nominiert und von einer international besetzten Jury bewertet. Neben der Hauptreisträgerin Claudia Larcher herhielten der Regisseur, Produzent und Fotograf Philipp Fussenegger und der Regisseur und Autor Felix Kalaivanan Anerkennungspreise.

Schon mehrfach ausgezeichnete Künstlerin

Preisträgerin Claudia Larcher (Jahrgang 1979) hat ihren künstlerischen Schwerpunkt in den Bereichen Experimentalfilm, Videoinstallation, Fotografie und Collage. Nach ihrem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien in den Fächern „Bildhauerei und Multimedia” und „Medienübergreifende Kunst” gewann sie 2008 mit ihrem Diplomfilm HEIM den Preis der Kunsthalle Wien. Seither entstanden knapp 20 Filme und Videoarbeiten, die weltweit bei Festivals sowie Einzel- und Gruppenausstellungen (u.a. Ars Electronica, steirischer herbst, Tokyo Wonder Site, Slought Foundation Philadelphia, Centre Pompidou) präsentiert wurden. Bei der Viennale (2013) und im Anthology Film Archive in New York (2016) waren ihr Personalen gewidmet. Vom österreichischen Kulturministerium wurde sie unter anderem mit dem Staatsstipendium (2015) und dem Outstanding Artist Award (2016) für Video- und Medienkunst bedacht. Nach einer Gastprofessur am Architekturinstitut der TU Wien lehrt sie seit 2016 auch an der Universität für angewandte Kunst. In Lustenau war Claudia Larcher zweimal in der Galerie Hollenstein ausgestellt, 2016 mit Fotografien in der Ausstellung „sale-on-site“ und 2015 mit Videos in der Ausstellung „rewind and replay“.

Außergewöhnliche Arbeiten

Die Jury attestiert Claudia Larcher besonderes Können: „Claudia Larchers Arbeiten sind außergewöhnlich – nicht zuletzt, da sie sich konventionellen Zuschreibungen oder einfachen Deutungen konsequent entziehen und im Publikum dennoch einen eigenartigen Nachhall und eine nachhaltige Irritation auslösen. Die Räume, mit denen sich Larcher beschäftigt, existieren in dieser Form nicht, sondern bilden die Basis für ihre Interpretation, Abstraktion oder Verfremdung der architektonischen Gegebenheiten.“ Jurorin Insa Wiese, Festivalleiterin der Kurzfilmwoche Regensburg, beschreibt ihre Arbeiten: „Mit analytischem Blick gleitet die Kamera, kaum merklich animiert, fast zärtlich durch merkwürdig sterile Räume, über Körper und mysteriöse Landschaften und erzeugt mittels herausragendem Sounddesign Orte der Verrätselung, der Beklemmung und Uneindeutigkeit. Trotz Blick fürs Schöne und für Details schafft es die Künstlerin, eine Spannung beim Zuschauer zu erzeugen, die einem Thriller gleichkommt. Die Faszination ihrer Arbeiten besteht im Reziproken zwischen schönen, nur vermeintlich alltäglichen Aufnahmen und dem kühlen analytischen Blick nebst geradezu gewalttätigen Sounds. Mittels Abstraktion, Überhöhung und Verfremdung inszeniert die Künstlerin Lebensräume, die einen verzerrten Alltag widerspiegeln. Aufgrund dieser Inszenierung gelingt es der Künstlerin, die Blicke des Zuschauers auf die Leinwand gebannt zu halten und Kino oder auch installative Vorführung nahezu physisch erlebbar zu machen: das Klingeln an der Haustür oder das Schlagen des Hammers gehen durch Mark und Bein, der Ultraschallsound erzeugt ein Kribbeln auf der Haut. Vertrautes erscheint uns in diesen Räumen fremd oder wird scheinbar gar zur Bedrohung. Claudia Larchers Arbeiten sind Werke, denen man sich wahrlich nicht entziehen kann und von denen man mehr sehen möchte. Deshalb zeichnen wir, die Jury, Claudia Larcher mit dem mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis aus.“

Land Vorarlberg, ORF, Casino und Sparkasse zeichnen aus

Der Kulturpreis Vorarlberg ist eine Initiative von Casino Bregenz zusammen mit der Sparkasse Bregenz, und mit Unterstützung des Landes Vorarlberg sowie des ORF Vorarlberg. Der Preis unterstützt innovative Formate und Genres und soll jungen, aufstrebenden Künstlern eine würdige Plattform bieten, um ihr künstlerisches Schaffen zu präsentieren. Er wird jährlich vergeben, die zu prämierende Kunstgattung wird dabei jedes Jahr neu definiert.