Lustenauer Rheinbrücken feiern Jubiläen 28. November 2017

Rheinbrücke 45

Vor 150 Jahren wurde in Lustenau die erste Brücke über den Rhein entlang der Vorarlberger Grenze errichtet. 90 Jahre später, im Jahre 1957, erfolgte die feierliche Eröffnung der neuen Brücke Au – Lustenau.

Wirtschaftlich wichtige Anbindung

Die Unterfahrbrücke ersetzte seit dem Sommer 1867 die alte Fährverbindung von Au – Monstein nach Lustenau und stellte durch ihre Nähe zum Bahnhof in Au die wirtschaftlich wichtige Anbindung an die Bahnstrecke nach St. Gallen sicher. Ein im Vorarlberger Volksblatt am 23. Juli 1867 erschienener Bericht über die Eröffnungsfeier schildert die damalige Euphorie: „Gestern feierten wir die Eröffnung der neuen Rheinbrücke. Morgens 5 Uhr verkündeten Böllerschüsse den Beginn des Festes. Mittags 11 Uhr begaben sich die Gemeindevorstände und Comitémitglieder zu gegenseitiger Begrüßung auf die Brücke und von da in die Festhütte. Um 12 Uhr Festzug über die Brücke ins Gasthaus zum Ochsen in Lustenau. Um 1 Uhr Rückkehr in die Festhütte. Um halb 2 Uhr Mittagessen und Festreden. Später allgemeine Unterhaltung durch Musik, Gesang, Toaste. Der Weg von Lustenau nach Au war festlich geschmückt; auf der Brücke wölbten sich zierliche Triumphbogen mit sinnigen Sprüchen. Die Festreden betonten den Gedanken, daß die Brücke am Rhein ein Band soll sein zwischen Oesterreich und der Schweiz, sowie sie das Werk vereinten Zusammenwirkens beider Länder und beider Regierungen ist.“

Neue Brücke Au – Lustenau

Rheinbrücke Arbeiten an der Brückenrampe in Au.

Ebenfalls heuer jährt sich zum 60. Mal die Eröffnung der neuen Rheinbrücke Au – Lustenau. Wie die Vorarlberger Nachrichten tags darauf berichteten, „zog die Lustenauer Schuljugend“ am 28. November 1957 „unter klingendem Spiel des Musikvereins Lustenau geschlossen zum österreichischen Brückenkopf“, um dem Festakt beizuwohnen. Auch Außenminister Leopold Figl war eigens angereist. 1956 wurde mit dem Bau der modernen Betonbrücke begonnen. Dieses Vorhaben wurde in Lustenau durchaus auch kritisch gesehen. Viele Lustenauer waren gegen diese Planungen der „Gemeinsamen Rheinkommission“ und es wurde die verkehrspolitische Sinnhaftigkeit des neuen Standorts für den überregionalen Verkehr angezweifelt. Es sei dies „eine Angelegenheit von überregionaler Bedeutung“ und „eine Großbrücke gehört nicht nach Lustenau, sondern nördlich davon“ war etwa in den Vorarlberger Nachrichten vom 14. Mai 1955 zu lesen. Der hier von der Zeitung aufgenommene Unmut erstreckte sich im Weiteren auch auf die Abholzung der „Studa“ und den geplanten Abbruch der alten Holzbrücken.

Abbruch der alten Holzbrücken

Rheinbrücke 39 Bauarbeiten an der neuen Brücke Au – Lustenau.

Bereits zwei Tage nach der Eröffnung der neuen Brücke verlautbarte der Gemeinderat Au im Lustenauer Gemeindeblatt vom 30. November 1957 dann die nächtliche Sperrung der Unterfahrbrücke: „Infolge Inbetriebsetzung der neuen Rheinbrücke Au – Lustenau wird die alte Brücke Au – Monstein, Rheindorf – Lustenau, gemäß Verfügung der Zolldirektion III in Chur ab 1. 12. 1957 von 24 bis 5 Uhr für jeden Verkehr geschlossen.“ Allerdings gab es für Nachtschwärmer in „den Nächten vom 24. bis 26. 12. 1957 und von 31. 12. 1957 bis 1. 1. 1958“ ein Entgegenkommen seitens der Zollbehörden, denn es wurde angesichts der Festtage „die Passierzeit bis 1 Uhr verlängert.“ Kurz darauf wurde – sehr zur Enttäuschung der Lustenauer Bevölkerung – ebenso wie die Oberfahrbrücke, das seit dem Brand der Unterfahrbrücke im Jahr 1950 bestehende Brückenprovisorium abgebrochen und der Weg in die Schweiz wurde nun für viele ein zumindest gefühlsmäßig weiterer.