News LustenauerInnen fahren Rad: „In Lustenau gehört radeln einfach dazu“ 13. Juli 2015

Gabriele Fitz

Gabriele Fitz, pensionierte Lehrerin der BHAK/HAS, genießt das Oma sein mit ihren zwei Enkeln und radelt von Kindesbeinen an.

Gabi, du radelst schon ein Leben lang gerne und viel. Ein Blick zurück: wie war es früher in Lustenau?

Wir haben mit großen Rädern das Radeln gelernt, damals gab es noch keine Kinderräder. In der Hauptschule Kirchdorf gab es zu wenig Fahrrad-Abstellplätze, da wurde ein Radius um die Schule gezogen, und wer innerhalb des Kreises wohnte, durfte nicht mit dem Rad kommen. Leider gehörte ich dazu, um ein paar 100 Meter habe ich die Linie verpasst. Eine beliebte Abendbeschäftigung im Sommer war es, mit den Freundinnen im Ort „herum zu radeln“. So hat man Leute getroffen, und wir haben geschaut, wer wo wohnt. Davon kommt mein Lustenauer Straßenbild und ich profitiere heute noch davon.

Wie hat sich deine „Fahrrad-Biografie“ weiter entwickelt?

Es war nicht selbstverständlich, dass alle Haushalte ein Auto hatten. Und zwei schon gar nicht. Mein Mann hat unser Auto für den Arbeitsweg benötigt, da ging es gar nicht anders als zu radeln. Vorne und hinten ein Kind, und den Einkauf hat man auch noch irgendwie rauf gepackt. Heute ist alles einfacher, mit den Fahrrad-Anhängern und Kikis. Als Lehrerin in der HAK habe ich das Radeln einfach beibehalten, das ist wirklich keine Distanz. Heute hingegen nehme ich das Rad wirklich sehr bewusst, besonders im Ortsgebiet. Mit meinen Alltagswegen komme ich im Jahr auf 800 bis 1000 Kilometer. Das Wichtigste aber ist, dass ich es wirklich gerne tue und die frische Luft genieße – und der Sport ist auch noch „inklusive“ und geht nebenbei.

Hast du ein besonderes Rad?

Es war mir immer wichtig, dass ich ein gutes Rad habe. Seit 5 Jahren habe ich eines, das wirklich auf mich zugeschnitten und angepasst worden ist, und das macht mir viel Freude. Bei uns zu Hause gilt der Slogan: „Mein Rad gehört mir!“ – ohne zu fragen darf es in der Familie nicht ausgeliehen werden Bei Investitionen in ein Auto oder etwas am Haus überlegt man viel und lang, und ich finde das sollte man beim Rad auch tun – vor allem wenn man es fast täglich verwendet. Im letzten Urlaub habe ich ein E-Bike ausprobiert, das war toll! Das kommt in der Zukunft sicher in Frage!

Wie schätzt du die Radsituation in Lustenau ein?

Ehrlich gesagt ist Lustenau nicht gerade ein gutes „Radpflaster“, aber ich frage mich, ob es in anderen Gemeinden anders ist? Die Hofsteigstraße etwa ist schon fast kriminell, die Straße ist so schmal und dann gibt es die Ecken – die gehören unbedingt entschärft. Man merkt, dass die Straßen für Autos konzipiert und gebaut wurden. Die geschützten und vom Verkehr befreiten Radwege sind außerhalb des Ortes, und deshalb für mich nicht alltagstauglich. Am liebsten fahre ich die kleinen Weglein, von denen es in Lustenau so viel gibt. Dabei beobachte ich, dass dort auch viel mit Kindern geübt und gefahren wird – davon sollte es mehr geben!

Was wünschst du dir zur Verbesserung des Radklimas in Lustenau?

Es mangelt einfach an der gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr generell. Das ist gleichzeitig auch mein Wunsch, dass wir mehr Verständnis für verschiedene Verkehrsteilnehmer haben und besser aufeinander schauen. Toll wären auch Radwege durchs Ried in Richtung Wolfurt oder Lauterach. Zum Werbenhof nach Dornbirn brauchen wir meiner Meinung nach einen Radweg, der von der Straße getrennt ist – denn dort sind 80 km/h erlaubt und man radelt quasi auf der Straße. Wenn ich mir noch etwas wünschen könnte, dann wären es mehr Straßen, auf denen man nebeneinander radeln darf – man darf den kommunikativen Faktor beim gemeinsamen Radeln natürlich nicht vergessen...!