Neue Ausstellung in der Galerie Hollenstein in Kooperation mit dem Druckwerk 19. September 2019
Über den Sommer beherbergte Lustenau erstmals im Rahmen eines neu eingerichteten, internationalen Residency-Programms zwei Gäste aus dem Kunstbereich: Der Künstler Florian Huth und der Kulturwissenschaftler Simon Nagy lebten und arbeiteten sechs Wochen lang hier und entwickelten im Druckwerk Lustenau mehrere neue Werkgruppen. Die Ergebnisse werden ab 20. September im Kunstraum der Galerie Hollenstein präsentiert, ein Künstlerbuch und ein wie immer kostenloses Rahmenprogramm ergänzen die Ausstellung.
Neues Residency-Programm
Für den Sommer 2019 schrieben das Druckwerk und die Galerie Hollenstein – Kunstraum und Sammlung erstmals ein künstlerisches und ein wissenschaftliches Stipendium aus, das mit Unterstützung des Landes Vorarlberg und der Marktgemeinde Lustenau fortan jährlich angeboten werden soll. Hintergrund der Initiative ist, dass sich in der Lustenauer Hofsteigstraße mit dem Radiomuseum, dem S–MAK und dem Druckwerk an einem Standort gleich drei Vereine befinden, die sich mit der Industriegeschichte Lustenaus beschäftigen. Für alle drei spielt die Frage eine Rolle, wie ein zeitgemäßer, verantwortungsvoller und zukunftsgerichteter Umgang mit historischen Beständen aussehen kann. Ziel der Residency ist es, die Potenziale auszuloten, die eine Auseinandersetzung aus den unterschiedlichsten Disziplinen mit den Beständen hergibt: „Über eine mehrjährige Laufzeit des Programms ergibt sich nicht nur eine spezifische Auseinandersetzung mit den jeweiligen Beständen der einzelnen Einrichtungen, sondern vor allem auch ein künstlerisch-wissenschaftliches Kaleidoskop der Industriekultur“, verdeutlichen Severin Hagen und Christine Katscher vom Druckwerk.
Ausgangspunkt: eine Sammlung von Fotoklischees im Druckwerk
Für das erste Jahr des Programms wurden die Bewerberinnen und Bewerber gebeten, ihren Blick auf den Bestand der Sammlung des Druckwerks zu legen: eine große Ansammlung von Fotoklischees, die im Keller des Druckwerks lagerten und bis dahin noch nicht gesichtet worden waren: „In diesem Fall eine recht willkürliche Ansammlung. Dies ist ein gewagter Schritt, weil wir selbst nicht wussten, was genau da gelagert war; gleichzeitig ermöglicht aber genau das auch einen experimentellen und sehr freien Umgang, der nicht von uns vorgegeben wird“, so Hagen und Katscher.
Florian Huth und Simon Nagy
Aus den 30 eingelangten Bewerbungen aus ganz Europa wurden der Künstler Florian Huth (geb. 1980, lebt und arbeitet in München) und der Literatur- und Kulturwissenschaftler Simon Nagy (geb. 1994, lebt und arbeitet in Wien) ausgewählt und eingeladen. Ihre Bewerbungen überzeugten durch ein über die letzten Jahre entwickeltes und kontinuierlich verfolgtes Interesse an einer reflektierten und sehr eigenwilligen Arbeit mit fremden Beständen: Während Florian Huth sich mit Aspekten von Aneignung von Bildern im digitalen Zeitalter auseinandersetzt, ist Simon Nagys Arbeitsfeld oft die Sprache, mit der er auf analytische Weise experimentiert. „Gerade der Kontrast des mit Bildern arbeitenden Künstlers und des mit Sprache hantierenden Kulturwissenschaftlers erschien uns als eine sinnvolle und spannende Zusammenführung“, erklären Hagen und Katscher.
Ausstellung im Kunstraum der Galerie Hollenstein
Huth und Nagy haben in einem sechswöchigen Aufenthalt in Lustenau die zuvor noch ungeöffnete Sammlung an Klischees gründlich durchgearbeitet und zum Ausgangspunkt für ihre Ausstellung „&c.“ (et cetera) im Kunstraum der Galerie Hollenstein gemacht. Claudia Voit, Leiterin der Galerie und Kuratorin: „Uns ist es wichtig, dass die Arbeit, die vor Ort über den Sommer geleistet wurde, im Rahmen einer Ausstellung sichtbar wird und mit einem umfangreichen Rahmenprogramm auch für unterschiedliche Besuchergruppen geöffnet und vermittelt wird. Auch in Zukunft wird die Galerie eng mit dem Druckwerk für Konzeption, Auswahl und Präsentation des Residency-Programms zusammenarbeiten – wir können den professionellen Rahmen hierfür bieten und nicht zuletzt sind die im Zusammenhang nach dem Umgang mit Beständen stehenden Fragen auch für uns relevant.“
Gemeinsame Werkgruppen von Huth und Nagy
In erstmaliger und enger Zusammenarbeit von Florian Huth und Simon Nagy entstanden gleich mehrere Werkgruppen: „Die gemeinsame Arbeit fußt in der Auffassung, dass die Sammlung sämtliche Elemente umfasst, die sich auf den Europaletten befunden haben: neben den Klischeeplatten also auch die ihnen beiliegenden Postkarten oder Ansichtsdrucke, darüber hinaus Texte und Bilder einzelner Zeitungsseiten und anderer Materialien, die als Verpackungsmaterial dienten, die wir in oder zwischen den Kisten entdeckt haben und die uns als abstraktes Bildmaterial dienen“, so Florian Huth und Simon Nagy. Die gleichwertige Behandlung von archiviertem Bestand und demjenigen Material, das ursprünglich der Archivierung diente, wie Verpackungs- oder Füllmaterial, wurde zum Ausgangspunkt für eine 24 Collagen umfassende Serie. Spielerisch, unkonventionell und witzig treffen hier von den Künstlern erarbeitete Verwandtschaftskonstellationen von Motiven aus dem Materialkonvolut, die titelgebenden alliterativen Begriffspaare geben Einblick in die von Huth und Nagy als gemeinschaftsbildendes Merkmal identifizierten Charakteristika. Eine Videoarbeit, ein im Raum installiertes Holzobjekt sowie eine Serie von Holzdrucken komplettieren die Ausstellung und zeugen von der intensiven Auseinandersetzung während des Arbeitsaufenthalts mit dem Material.
Rahmenprogramm und Publikation
Zusätzlich zur Ausstellung ermöglichen die Künstler am Tag nach der Eröffnung einen Blick hinter die Kulissen in ihrer temporären Werkstätte im Druckwerk. Als Dokumentation und Weiterführung der Arbeit in Lustenau produzieren die Künstler in der Publikationsreihe der Galerie Hollenstein ein Künstlerbuch, das am Ende der Laufzeit mit einem Performance-Programm präsentiert wird. Darüber hinaus bietet die Galerie Hollenstein wie zu jeder Ausstellung individuell buchbare Führungen sowie kostenlose Workshops für Schulklassen an.
&c.
Florian Huth / Simon Nagy
Ausstellung im Rahmen des Residency-Programms in Kooperation mit dem Druckwerk
Galerie Hollenstein – Kunstraum und Sammlung
Pontenstraße 20, 6890 Lustenau
T +43 5577 8181-4220, galerie.hollenstein@lustenau.at
www.lustenau.at/galerie-hollenstein
Laufzeit: 21. September bis 27. Oktober 2019
Eröffnung: Freitag, 20. September, 19 Uhr
Öffnungszeiten (während der Laufzeit)
Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag 15 bis 19 Uhr
Eintritt 4 EUR/3 EUR ermäßigt
Kostenloses Kunstvermittlungsprogramm für Kinder / Jugendliche und private Führungen außerhalb der Öffnungszeiten auf Anfrage unter galerie.hollenstein@lustenau.at
Rahmenprogramm und Vermittlung
Samstag, 21. September, 17 Uhr
Einblick in die Produktionsstätte und Ausstellungsrundgang
Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Druckwerk Lustenau
Treffpunkt: Druckwerk Lustenau, Hofsteigstraße 21
Wir bitten um Anmeldung bis Donnerstag, 19. September 2019 unter galerie.hollenstein@lustenau.at
Samstag, 5. Oktober, 19 – 1 Uhr Lange Nacht der Museen Stündliche Kurzführungen, Sound und Drinks. Spezielles Angebot zum eigenständigen Entdecken der Ausstellung für Familien.
Freitag, 25. Oktober, 19 Uhr Buchpräsentation und Performance Florian Huth und Simon Nagy stellen das Künstlerbuch vor, das im Rahmen ihrer Residency entstand. Eine Performance experimentiert mit Klang- und Sprach-Archiven jenseits des Druckgrafischen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.