NS-Gedenkstätte erfährt Aktualisierung 5. August 2026

2013 wurde von der Marktgemeinde Lustenau in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Kriegerdenkmal eine NS-Gedenkstätte errichtet. Dort fanden, stellvertretend für alle Opfer, die bis dahin bekannten Todesopfer aus unserem Ort eine namentliche Erwähnung.

Schon bei der Konzeption des Denkmals war klar, dass künftige Forschungen eventuell weitere Todesschicksale zu Tage bringen werden. Deshalb wurde von Künstler Udo Rabensteiner auf den Sandsteinblöcken bewusst Platz für weitere Namen gelassen. Zwischenzeitlich konnte die Forschung zwei weitere Lustenauer Todesopfer identifizieren. Auch ihre Namen wurden nun eingraviert. 

Bild 1 027A4493_g Foto Michael Pezzei An der Gedenkstätte wurden kürzlich die Namen von zwei weiteren Todesopfern angebracht.
Bild 2 027A4428_g Maßarbeit an der zerbrochenen Sandsteinsäule, welche die brutalen Auswirkungen von Tyrannei und Willkür symbolisieren soll.
Bild 3 027A4407_g Für die Ausführung zeichnet in Absprache mit Udo Rabensteiner der Lustenauer Gräbergravur-Spezialist Stefan Hämmerle verantwortlich.

Wilhelm Hämmerle – spätes Opfer der NS-Euthanasie

Bild 4 Hämmerle Wilhelm_12718_Scan Foto Auch der Name von Wilhelm Hämmerle findet sich nun auf der Gedenkstätte.

Wilhelm Hämmerle starb im Alter von 15 Jahren rund zwei Monate nach Kriegsende in Kaufbeuren. Er war im Juli 1942 zur Behandlung in die dortige „Heil- und Pflegeanstalt“ aufgenommen worden. Seiner Krankengeschichte ist zu entnehmen, dass der Junge in den letzten Kriegsmonaten von 41 Kilogramm im Oktober 1944 auf 28 Kilogramm Körpergewicht im Juni 1945 abgemagert war.

Eine Expertise von Prof. Dr. Michael von Cranach, eine ausgewiesene Koryphäe für dieses Thema, bestätigt, dass der junge Lustenauer als ein Euthanasieopfer einzuordnen ist: „Wilhelm Hämmerle ist eindeutig ein Opfer der Vernachlässigung und evtl. auch Hungerkost. […] Todesursache war wahrscheinlich aber ein epileptischer Anfall, allerdings wurde ihm nicht geholfen, man hat ihn einfach sterben lassen.“

Für seine Mutter und seinen Vater war die Nachricht vom Tod ihres jüngsten Sohnes eine von mehreren schmerzhaften Todesbotschaften. Ihr im Lustenauer Kriegsopferbuch als Student bezeichneter Sohn Oskar, damals ein gerade mal 17 Jahre alter Bub, kehrte nicht mehr aus dem Krieg zurück. Ihr Sohn Adolf Otto kam krank aus dem Krieg zurück und starb noch im Mai 1946 im Alter von 21 Jahren in Lustenau an den Kriegsfolgen.

Karl Waibel – Opfer der brutalen NS-Justiz

Karl Waibel wurde am 14. November 1944 in München Stadelheim hingerichtet. Der 1901 in Hohenems geborene Sohn einer Lustenauerin war im Oktober desselben Jahres „als Volksschädling, gefährlicher Gewohnheitsverbrecher, wegen Verbrechens des Diebstahls und kriegsschädlichen Verhaltens zum Tode verurteilt.“ Tatsächlich hatte der Weber der damals laut Urteil „seit 10 Jahren in Lustenau ansässig“ war, teilweise gemeinsam mit seiner Ehegattin und einem weiteren Komplizen Textilien – u.a. auch Stoffe für Wehrmachtsuniformen – im heutigen Wert von rund € 36.000,- entwendet:

„Der Angeklagte Karl Waibel hat in den Jahren 1942 und 1943 in Lustenau zum Schaden der Firma Grabher, Scheffknecht und Co. verschiedene Spinnstoffwaren im Wert von RM 5206,37 in wiederholten Eingriffen durch Einbruch und unter Ausnutzung der zur Abwendung von Fliegergefahr getroffenen Massnahmen gestohlen und dadurch sowie durch den unbefugten Bezug von 290 Kg Schweinfleisch von Eduard Riedmann in der Zeit von Ende 1939 bis 1941 lebenswichtige Bedarfsgegenstände beiseite geschafft und die Bedarfsdeckung daran böswillig gefährdet“.

Diese Vergehen und drei ältere Vorstrafen reichten der brutalen NS-Justiz für ihr Todesurteil, welches tief in der NS-Ideologie verwurzelt scheint, denn nach „Ansicht des Sondergerichtes fordert das Sittlichkeitsempfinden als auch das Gerechtigkeitsgefühl der ihres Volkstums bewussten Volksgemeinschaft die Unschschädlichmachung des Angeklagten Karl Waibel“.