School Nurse an MS Rheindorf: Mehr als Erste Hilfe 5. November 2026
Seit September 2025 ist Angelina Frühwirth als School Nurse im Pilotprojekt von connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege an der Mittelschule Rheindorf im Einsatz. Finanziert wird das Pilotprojekt durch das Land Vorarlberg. Vier Stunden pro Woche hilft sie bei Wehwehchen, begleitet chronisch kranke Kinder und hört zu, wenn hinter Bauchschmerzen größere Sorgen stecken. Gemeinsam mit Direktorin Christine Hopfner erzählt sie, warum ihr Beruf aus dem Schulalltag kaum mehr wegzudenken ist.
Was genau macht eine School Nurse?
Angelina Frühwirth: Ich bin die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen an der Mittelschule Rheindorf, leiste Erste Hilfe, berate Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrpersonen und gestalte Workshops zu Gesundheitsthemen. Dabei geht es nicht nur um akute Beschwerden, sondern auch darum, dass Kinder lernen, auf ihre Gesundheit zu achten.
Wie sieht ein typischer Vormittag aus?
Angelina Frühwirth: Einen typischen Vormittag gibt es eigentlich nicht. Manchmal kommen Kinder mit Bauchschmerzen, einer Verletzung oder einer auffälligen Hautveränderung. Manchmal steckt hinter einer körperlichen Beschwerde aber auch etwas anderes. Ich erinnere mich an einen Schüler, der gerade eine Panikattacke erlebt hatte. Wir haben miteinander gesprochen, er konnte sich beruhigen und anschließend wieder in den Unterricht gehen. Es ist schön, wenn man in solchen Momenten helfen kann.
Wie hat sich die School Nurse in den Schulalltag integriert?
Christine Hopfner: Sehr gut – sogar besser, als ich es mir erwartet hatte. Weil sie bereits bei den schulärztlichen Untersuchungen dabei war, konnte sie die Kinder gleich kennenlernen. Das hat Berührungsängste abgebaut und die Abläufe erleichtert. Außerdem hat sie mit allen Klassen den Workshop „Verhalten bei Krankheit und bei Notfällen“ durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler konnten dabei ganz praktisch üben, wie man im Notfall reagiert, zum Beispiel bei der Wiederbelebung. Auch Workshops zu Hygiene, Pubertät und Menstruation sind wichtige Bestandteile ihrer Arbeit.
Wie gewinnt eine School Nurse das Vertrauen der Jugendlichen?
Angelina Frühwirth: Wichtig ist, offen und transparent zu sein. Die Kinder sollen wissen, dass sie Fragen stellen dürfen und sich für nichts schämen müssen. Bei einem Workshop zu Menstruation und Pubertät fragte eine Schülerin einmal, was passiert, wenn ein Kind im Mutterleib stirbt. Dahinter stand eine persönliche Erfahrung in ihrer Familie, über die zuvor niemand gesprochen hatte. Solche Momente zeigen, wie wichtig es ist, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem Kinder auch schwierige Fragen stellen können.
„Für mich ist Schule ein zentraler Ort für Gesundheit und Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler.“
Welche Rolle spielt die School Nurse bei chronischen Erkrankungen?
Angelina Frühwirth: Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist es, Kinder mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen im Schulalltag zu unterstützen. Ein Schüler mit Diabetes hatte während einer Hitzeperiode beispielsweise stark schwankende Blutzuckerwerte. Ich war mit den Eltern in Kontakt und konnte den Verlauf im Blick behalten. So konnte das Kind – soweit es die Situation zuließ – in der Schule bleiben, statt nach Hause gehen zu müssen. Entscheidend ist dabei immer die enge Abstimmung mit den Eltern und den anderen Beteiligten.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Unterstützungsangeboten an der Schule?
Christine Hopfner: An unserer Schule mit rund 300 Schülerinnen und Schülern gibt es ein breites Netz an Unterstützung: die Schulsozialarbeit, psychotherapeutische Begleitung, die Schulpsychologie und die pädagogische Beratung. Angelina ergänzt dieses Angebot sehr gut. Wir stimmen uns eng ab und achten selbstverständlich auf Datenschutz und klare Zuständigkeiten. Nicht jede Herausforderung lässt sich allein lösen – umso wichtiger ist es dann, dass die richtigen Personen zusammenarbeiten.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Christine Hopfner: Nach der Pilotphase wird das Projekt evaluiert. Derzeit sind neun School Nurses an neun Pflichtschulen in Vorarlberg im Einsatz und ich wünsche mir, dass dieses Angebot langfristig bestehen bleibt und ausgeweitet wird. Meiner Ansicht nach braucht jede Schule eine School Nurse. Kinder müssen gesehen und unterstützt werden – und dafür ist die School Nurse eine große Bereicherung.
Über Angelina Frühwirth
Die 1987 geborene School Nurse ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie mehrere Jahre in Wien und an der Universitätsklinik Innsbruck. Anschließend war Angelina sechs Jahre bei der Lebenshilfe tätig, wo sie Menschen mit Behinderungen begleitete und pflegerisch unterstützte. Nach ihrer Ausbildung zur Case Managerin arbeitete sie in der Sozialberatung. Seit 2025 ist sie bei der Connexia, Gesellschaft für Gesundheit und Pflege angestellt. Als School Nurse verbindet sie heute ihre Erfahrung mit ihrer Begeisterung für Gesundheitsförderung und Prävention.