News „This must be my place. The Other is Us. Zur Idee der postmigrantischen Gesellschaft“ 1. September 2021

Am 3. September eröffnet im DOCK 20 eine neue Gruppenausstellung, die sich mit der Bedeutung und Auswirkung lokaler und globaler Migrationsbewegungen befasst. Sie bietet Einblicke in die biografisch und ökonomisch geprägten Erfahrungen und Erinnerungen der Künstler:innen und hinterfragt bestehende historische Narrative.

Foto 1 Donja Nasseri und Ezgi Erol © Miro Kuzmanovic 2021 Artists in Residency: Die Künstlerinnen Donja Nasseri und Ezgi Erol haben im heurigen Sommer im DOCK20, S-MAK und Druckwerk gearbeitet.

Die Frage nach Migration ist eine Frage der Macht. Das Fremde und die Heimat - zwei Begriffe, die bis heute immer wieder neu gesellschaftlich verhandelt werden müssen. Migration ist so alt wie die Menschheit, ist das Potenzial des technologischen und kulturellen Fortschritts. Sie ist keine Kraft, die von außen auf eine Gesellschaft einwirkt, sondern Teil ihrer Struktur. Jede Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Migration. Sie ist unumkehrbar.

Mit dem Aufstieg der Lustenauer Textilindustrie in den 60er Jahren begann die Werbung und ein Zuzug türkischer und kurdischer Gastarbeiter:innen. Ohne sie wäre der wirtschaftliche Aufstieg nicht erfolgt. Als die Lustenauer Stickereiindustrie aufgrund ihrer Abhängigkeit vom nigerianischen Markt in den 90er Jahren zerfiel, waren die Migrant:innen noch immer da, hatten Kinder, Kindeskinder. Doch in den Archiven sucht man ihre Geschichten und Erinnerungen weitest-gehend (noch) vergebens. Als „Gastarbeiter:innen“ der x-ten Generation werden sie bis heute nicht als Protagonist:innen und Wissensproduzent:innen verstanden. „Migrantisches“ Wissen im gesellschaftlichen Aushandlungsprozess als solches anzuerkennen, ist genauso eine Voraussetzung für die postmigrantischen Gesellschaft wie die kritische Reflexion des „Anderen“ und seiner Entstehung.

Foto 2 Esther Ojo „Die Magie steckt in jeder Strähne“ 2020 © Kunsthalle Wien � Esther Ojo Esther Ojo „Die Magie steckt in jeder Strähne“ 2020
Foto 3 Giorgi Gago Gagoshidze „The Invisible hand of my father“ © Giorgi Gago Gagoshidze Giorgi Gago Gagoshidze „The Invisible hand of my father“

In den vergangenen sechs Wochen haben die beiden Stipendiatinnen der Artist und Research Residency von DOCK 20, S-MAK und Druckwerk Ezgi Erol und Donja Nasseri thematisch zu ortsspezifischen Aspekten des Postmigrantischen gearbeitet und mittels Recherchen und Interviews Arbeiten angefertigt. Einen erweiterten Blick auf das Thema des postmigrantischen Wissens und die Sichtbarmachung von Gegenerzählungen über die Grenzen Vorarlbergs hinaus geben die weiteren Positionen der Ausstellung von Cana Bilir-Meier, Theo Eshetu, Giorgi Gago Gagoshidze und Abiona Esther Ojo.

Ausstellung im DOCK 20

„This must be my place. The Other is Us.
Zur Idee der postmigrantischen Gesellschaft“
4. SEPTEMBER BIS 24. OKTOBER 2021
DOCK 20 – Kunstraum und Sammlung Hollenstein
Pontenstraße 20, 6890 Lustenau
www.lustenau.at/dock20

Öffnungszeiten
(während der Laufzeit):
Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag
15 bis 19 Uhr
Eintritt 4 EUR / 3 EUR ermäßigt

Programm
Eröffnung Freitag, 3.9., 19 Uhr
Dialogführung Samstag, 4.9., 16 Uhr

Vorschau
23. September 2021, 16 Uhr / 8. Oktober 2021, 10 Uhr / 21. Oktober 2021, 16 Uhr Jugend-Workshop (ab 13 Jahre) mit Sümeyra Coşkun. Anmeldung: dock20@lustenau.at
30. September 2021, 18 Uhr: Apéro-Führung
2. Oktober 2021, 18–1 Uhr: Lange Nacht der Museen
23.Oktober 2021, 19 Uhr: Finissage und Lesung mit Künstlerin Cana Bilir-Meier