Unser Ried als Wiesenbrüterparadies: Der Kiebitz ist Vogel des Jahres 2026 8. April 2026

_DSC8900 Das Auer Ried hat sich durch gemeinsame Anstrengungen der Ortsgemeinde Au mit Naturschutzbund, Jägern, Landwirten, der Gemeinde Lustenau, dem Naturschutzfonds des Landes Vorarlberg und weiteren Partnern zum wichtigsten Kiebitz-Brutgebiet Vorarlbergs entwickelt. Herzstück ist das „Zebrabiotop“, ein großflächiges, von der Ortsgemeinde Au angelegtes Feuchtbiotop, in dem die Kiebitze sichere Brutplätze und Nahrungsflächen finden.

Der Vogel des Jahres wird von einer Fachkommission gewählt, weil er entweder besonders gefährdet ist oder zumindest in seinem Lebensraum bedroht wird. Das passt für den Kiebitz punktgenau. Nach der Entwässerung im Rheindelta vor gut 60 Jahren stieg die Zahl der Brutpaare durch bessere Brutmöglichkeiten zunächst von etwa 70 auf 170 an. Seit den Achtzigerjahren sinken die Bestände allerdings dramatisch - heute sind es im Rheindelta kaum noch 15 Paare.

Die Ursachen sind vielfältig: An erster Stelle steht der Verlust von Lebensraum, der nicht nur zur Brut geeignet sein sollte, sondern auch genügend Nahrung zur Aufzucht der Jungen bieten muss. Zu häufiges Mähen oder das Wegfallen der Mahd verhindert jeden Bruterfolg. Kiebitze brauchen niedere Riedwiesen mit weitem Rundumblick, um Feinde rechtzeitig zu bemerken. Die hohe Zahl an Prädatoren, also Fressfeinden der Kiebitze, tut ein Übriges: Füchse, Wiesel, Dachse, Marder oder freilaufende Hunde können Brutkolonien gefährden. Gegen schnell fahrende Kreiselmäher hat kein Jungkiebitz eine Überlebenschance. Als Koloniebrüter können Kiebitze zwar viele Luftfeinde fernhalten, indem sie gemeinsam Angriffsflüge starten. Gegen Füchse, Wiesel oder Maschinen sind sie jedoch machtlos.

Kiebitze sind Bodenbrüter und Nestflüchter

Foto1_KiebitzNSee_Max_Granitza Der auffallende Kiebitz ist ein Aushängeschild für den Wiesenbrüter- und Riedschutz im Rheintal.

Der etwa taubengroße Vogel mit der typischen Federtolle auf dem Kopf legt in der Regel vier Eier. Das Nest ist lediglich eine Mulde im Boden, die mit einigen Grashalmen ausgepolstert wird. Weil Kiebitze bereits Ende März auf den Gelegen sitzen, sind sie schon von weitem zu sehen. Kaum geschlüpft, ducken sich die Jungen ins Gras. Bis zu fünf Wochen werden sie von den Altvögeln gefüttert, ehe sie flügge werden. Den Großteil ihrer Nahrung bilden Würmer, Raupen, Schnecken oder Spinnen. Im Vorarlberger Rheintal brüten Kiebitze nicht nur in Streuwiesen, der überwiegende Teil nutzt heute Äcker für das Brutgeschäft.

Was ist in Lustenau anders? - Projekt „Wiesenbrüterschutz“

Foto3_Umfahren-KiebitzflächeAuerRied-20180604-03606JürgenUlmer Landwirte nehmen Rücksicht und umfahren markierte Kiebitz-Gelege

Besonders engagierten Menschen liegt die Erhaltung der Kiebitze am Herzen. So bemühen sich der Naturschutzbund und die Niederwildreviere seit mehr als zwanzig Jahren im Projekt „Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg“ durch fachlich fundierte Arbeit um den Kiebitz und andere Bodenbrüter. Unterstützt werden sie dabei vom Land Vorarlberg, der Vorarlberger Jägerschaft, der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Gemeinde Lustenau und weiteren Gemeinden.

Best-Practice-Beispiel Auer Ried

Bestes Beispiel für erfolgreichen Wiesenbrüterschutz ist das Auer Ried in Lustenau. Jedes Jahr werden möglichst alle Kiebitznester erfasst und am Wegrand markiert. Dies erfordert von März bis Mai fast tägliche Kontrollen. Damit verbunden sind unzählige Aufklärungsgespräche mit Hundehaltern, Landwirten, Bikern und Drohnenpiloten. So ist gelungen, was auch im Universumfilm über das Alpenrheintal gezeigt wurde: Ein Miteinander aller Beteiligten zum Schutz der Wiesenbrüter.

Foto2_Kiebitz juv Auer Ried 15-5-13 ReinhardHellmair (2) Gut getarnte Kiebitz-Küken im Auer Ried
Foto5_MG_1280_(c)LukasHämmerle Kiebitz-Gelege im Auer Ried

Landschaftsgestaltung und Biotoppflege der Ortsgemeinde Au

Die Ortsgemeinde Au legte Feuchtbiotope und Extensivwiesen an, Gräben wurden abgeflacht und störende Gehölze entfernt. Landwirte umfahren die Gelege, die von den Vogelschützern markiert worden sind, Jäger schützen die Gelege vor vierbeinigen Nesträubern und begeisterte Besucherinnen und Besucher informieren andere, die die Regeln (noch) nicht kennen. Diese schöne Geschichte hat dazu geführt, dass heute im Auer Ried ein beträchtlicher Teil des Vorarlberger Kiebitzbestandes brütet und dort auch andere seltene Wiesenbrüter, wie Braunkehlchen, Brachvögel, Feldschwirl, Schwarzkehlchen, Wachtelkönig oder Schafstelze eine Chance für ihre Nachkommen haben.

Biodiversitätspreis-Wiesenbrüterprojekt-7725-cVereinGrünesKreuz Das Projekt „Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg“ ist mit dem renommierten Biodiversitätspreis 2025 des Vereins Grünes Kreuz ausgezeichnet worden.

Aus diesem Grund erhielten der Naturschutzbund und die Jägerschaft gemeinsam den mit 10.000 Euro dotierten Biodiversitätspreis 2025 des Vereins Grünes Kreuz für Jagd & Natur, der im Parlament feierlich verliehen wurde. Das Preisgeld wird zweckgebunden für weitere Maßnahmen eingesetzt, die die Biodiversität fördertn. So macht Naturschutz Freude!